07. 04. 2026

Die Energiewende braucht Kupfer — und zwar in einem Ausmaß, das die Welt bisher nicht kannte. Elektrofahrzeuge, erneuerbare Energien und Stromnetze haben die globale Nachfrage nach dem roten Metall in die Höhe getrieben und Kupferreserven zu strategischen Vermögenswerten ersten Ranges gemacht. Argentinien, das jahrzehntelang dem Bergbauboom seiner Nachbarn Chile und Peru zusah, tritt nun mit beeindruckenden Zahlen auf die Weltbühne: Laut dem Projektportfolio 2026 der argentinischen Nationaldirektion für Bergbauförderung und -wirtschaft (DNPyEM) verfügt das Land über 117,91 Millionen Tonnen (MTn) Kupferressourcen — und Pläne, diese in den kommenden Jahren zu erschließen.

Ressourcen mit höchster geologischer Sicherheit

Von den 117,91 MTn Gesamtressourcen fallen 53,83 MTn in die Kategorie der „Measured & Indicated” (M&I) — also jener Vorkommen, die nach internationalen Standards wie CRIRSCO, NI 43-101 und dem JORC Code mit der höchsten geologischen und technischen Genauigkeit ausgewiesen sind. Diese Klassifizierung ist für Investoren entscheidend: M&I-Ressourcen bilden die Grundlage für Machbarkeitsstudien und Investitionsentscheidungen. Dass fast die Hälfte der argentinischen Kupferressourcen bereits dieses Qualitätsniveau erreicht hat, sendet ein klares Signal an die internationalen Kapitalmärkte.

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Unter der argentinischen Andenkordillere schlummern 117,91 Millionen Tonnen Kupfer — eines der größten ungenutzten Vorkommen der Welt.

Die verbleibenden „Inferred Resources” — Ressourcen mit höherer geologischer Unsicherheit — versprechen zusätzliches Potenzial, sobald die Exploration in den geologisch aussichtsreichen Zonen der Andenkordillere weiter voranschreitet. Argentinien teilt diesen metallogenischen Gürtel mit Chile und Peru, den derzeit produktivsten Kupferregionen der Welt.

Neun Großprojekte, mehr als 28 Milliarden Dollar

Das argentinische Kupferportfolio beschränkt sich nicht auf einzelne Flaggschiff-Projekte. Die Secretaría de Minería identifiziert neun fortgeschrittene Vorhaben in den Regionen Cuyo und Nordwesten, mit einem kombinierten Investitionsvolumen (CAPEX) von über 28 Milliarden US-Dollar. Alle sind Porphyr-Kupfer-Lagerstätten — das geologische Modell der großen Andendeposits — und befinden sich entlang des Erzgürtels, den Argentinien mit Chile und Peru teilt.

ProjektUnternehmenCAPEX (Mrd. USD)Produktion (Tt/Jahr)Phase
Josemaría / VicuñaLundin Mining / BHP4,1 (18,1 kombin.)131.000Bau
Filo del SolLundin Mining / BHP1,866.000Vorprüfung
Taca TacaFirst Quantum5,25227.000Machbarkeit
El PachónGlencore9,46280.000Machbarkeit
Los AzulesMcEwen / Stellantis3,1+k.A.Machbarkeit
MARAGlencore4,5k.A.Reaktivierung
AltarRio Tinto / Nuton1,5+k.A.Exploration
PSJ Cobre MendocinoZonda Metals / Alberdik.A.k.A.Genehmigt

Das ambitionierteste Vorhaben ist das binnationale Megaprojekt „Vicuña”, das „Josemaría” und „Filo del Sol” unter einem operativen Dach vereint. BHP und Lundin Mining planen dafür eine Gesamtinvestition von 18,1 Milliarden US-Dollar — was es zur potenziell größten ausländischen Direktinvestition der jüngeren argentinischen Geschichte machen würde. „El Pachón” von Glencore ist mit einem CAPEX von 9,46 Milliarden das Projekt mit dem höchsten deklarierten Einzelinvestitionsvolumen und einer geplanten Jahresproduktion von 280.000 Tonnen Kupfer ab etwa 2034.

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Fast die Hälfte der argentinischen Kupferressourcen hat bereits das höchste geologische Sicherheitsniveau erreicht. Das ist das Signal, auf das internationale Investoren gewartet haben.

Geopolitischer Kontext: Kupfer als strategisches Gut

Argentiniens Kupfer hat nicht nur geologischen Wert — es hat geopolitischen. In einem globalen Szenario, in dem die Vereinigten Staaten ihre Lieferketten für kritische Mineralien diversifizieren wollen und die Europäische Union ihren Critical Raw Materials Act vorantreibt, gewinnt das Anden-Kupfer eine diplomatische und kommerzielle Dimension. Das im Rahmen des sogenannten Project Vault kürzlich unterzeichnete bilaterale Abkommen zwischen den USA und Argentinien über kritische Mineralien unterstreicht diesen strategischen Rahmen.

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Der US Geological Survey warnt: Die globale Kupfernachfrage könnte sich bis 2050 verdoppeln. Argentinien sitzt genau dort, wo die Welt hinschauen wird.

Laut dem US Geological Survey (USGS) könnte sich die globale Kupfernachfrage bis 2050 verdoppeln, angetrieben von der massiven Elektrifizierung der Weltwirtschaft. Jede neue Tonne argentinischer M&I-Ressource ist damit auch ein Signal an die internationalen Finanzmärkte.

Die Lücke zwischen Ressourcen und Produktion

Die größte Herausforderung des argentinischen Kupfersektors ist keine geologische — sie ist eine der Umsetzung. Während Chile jährlich über fünf Millionen Tonnen Raffiniertkupfer produziert und Peru mehr als 2,5 Millionen, ist Argentinien in der industriellen Kupferproduktion praktisch noch nicht präsent. Laut einer Analyse der Beratungsfirma Invecq vom Januar 2026 befinden sich lediglich 11 Prozent der nationalen Bergbauprojekte in fortgeschrittenen Phasen. Der Rest stockt — gebremst durch historische regulatorische Unsicherheit, Konflikte mit dem Gletscherschutzgesetz, fehlende Infrastruktur und hohe Logistikkosten in den Hochlagen der Kordillere.

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Laut einer Analyse von Invecq befinden sich nur 11 Prozent der argentinischen Bergbauprojekte in fortgeschrittenen Phasen. Die Ressourcen sind da — die Umsetzung ist die eigentliche Herausforderung.

RIGI als Hebel für Großinvestitionen

Das im Jahr 2024 im Rahmen des sogenannten Ley de Bases verabschiedete Großinvestitionsförderungsregime (RIGI) soll diesen Stau lösen. Es bietet Investoren bei Projekten ab 200 Millionen US-Dollar eine steuerliche und regulatorische Stabilität für 30 Jahre – ein Rahmen, der direkt auf Großprojekte wie „El Pachón” oder „Taca Taca” zugeschnitten ist. Wie das Ministerium für Bergbau im März auf der PDAC-Konferenz 2026 in Toronto berichtete, übersteigen die unter dem RIGI im Bergbausektor angemeldeten Investitionen bereits 47 Milliarden US-Dollar.

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Das RIGI-Regime bietet Investoren 30 Jahre Steuer- und Rechtssicherheit. Für Großprojekte wie “El Pachón” oder “Taca Taca” ist das kein Detail — es ist die Voraussetzung.

Wenn Argentinien es schafft, die wichtigsten Kupferprojekte im kommenden Jahrzehnt in Produktion zu bringen, könnten die Exporterlöse aus Kupfer bis 2035 die Marke von 17 Milliarden US-Dollar pro Jahr überschreiten — bei einer Jahresproduktion von 1,5 Millionen Tonnen. Eine Transformation, die das Land dauerhaft auf der Landkarte des globalen Metallbergbaus verankern würde.

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