23. 03. 2024

Buenos Aires (AT) – Zwischen der argentinischen und der deutschen Kultur liegen Welten. Das kann jeder bestätigen, der über einen längeren Zeitraum im jeweils anderen Land gelebt hat. Die deutsche Autorin Susanne Müller setzt sich in ihren Publikationen mit eben dieser Grenzerfahrung auseinander, dem Brennpunkt zwischen Aus- und Einwanderung.

Von Argentinien nach Deutschland

Das Kulturerbe der Deutschen in Argentinien – von der Ankunft des ersten Deutschen in Argentinien bis nach dem Ende des II. Weltkrieges, und die Lebensart, die sie prägten- ist lebende Geschichte. Deutschstämmige in Argentinien stellen -je nach Quelle-, eine Bevölkerungs-Gruppe dar, die -je nach Quelle- von 600.000 (Deutsche Botschaft in Buenos Aires) bis zu 1 Million Menschen (Deutsches Hospital) zählen kann. Der Forscher Gustavo Schimpf bekundet in Crónica Jornada de Genealogía (Centro Argentino Cultural Wolgadeutsche, 2007) 2,5 Millionen Menschen, die von Einwanderern aus den deutschsprachigen Wolgagebieten abstammen.

Dieses Erbe spiegelt sich bis heute auch in der Zahl der Vereinigungen, Schulen oder Vereinen wieder, die Deutschstämmige seit der argentinischen Unabhängikeit im Jahre 1810 zwischen Iguazu und Feuerland gründeten. Die Federación de Asociaciones Argentino-Germanas (FAAG) zählt über 200 Vereinigungen. Und trotz der immer neuen argentinischen Krisenszenarien der letzten 50 Jahre läßt das Interesse aus Europa nach Argentinien kaum nach. Die Folge: eine kulturelle Vermischung, die den Alltag bis heute prägt und gestaltet.

Im Gegenzug, führt es aber auch heute und immer öfters Lateinamerikaner, insbesondere Argentinier, nach Europa und hier nach Deutschland. Sei es um sich geschäftlich niederzulassen oder aus privaten Gründen. Nach Angaben der UNO leben heute in Deutschland mehr las 21.000 Argentinier mit ihren Familien. Ähnlich der deutschen Einwanderung, die, nach zwei Weltkriegen und auf der Suche nach einer besseren Zukunft nach Argentinien auswanderten, kam ein Großteil der heute in Deutschland lebenden Argentinier aufgrund der Wirtschaftskrisen, die die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas seit den 70er Jahren durchleben mußte. Auch sie müssen lernen, weitab von Zuhause in der fremden Kultur zurechtzukommen.

Zwischen Einsamkeit und Neuerfindung

Susanne Müller untersucht und analysiert seit Jahren die Schnittstellen und kulturellen Brennpunkte dieser Entwicklungen; und das in beide Richtungen. Ihr erstes Buch zum Thema war: “Deutsch in Argentinien”, in dem sie sich mit den Eigenheiten und Leistungen der deutschsprachigen Gemeinschaft zwischen Rio de la Plata und Anden beschäftigt. Im November 2023 erschien nun seine Fortsetzung. Der Titel: “Argentinien in Deutschland”. Hier richtet die Autorin ihren Blick in die entgegengesetzte Richtung und durchleuchtet die Realität und Herausforderungen, die Argentinier zwischen Nordsee und Alpen erleben.

Ein Leben zwischen den Kulturen

Kommunikationsprobleme, Einsamkeit, Kulturshocks aber auch neue Sprache und Freundschaften gehören zum Alltag des Auswandern wie Mueller es selbst am eigenen Leib erfahren konnte. Expertin für Deutsch als Fremdsprache kam nach Südamerika, um, nach eigenen Angaben, der deutschen „Coronapolitik“ zu entgehen. Als sie sah, wie viele Landsleute es ebenfalls nach Südamerika verschlug, sammelte sie Informationen über Deutsche im Ausland und begann ihre Buchreihe.

2004 gründete die Autorin in Frankfurt am Main den Verlag Cross-Culture Publishing. Der Name ist Programm: Mueller reist seitdem in Länder zwischen Australien, Asien, Europa und Lateinamerika und vereint ihr interkulturelles Wissen mit ihrer Leidenschaft fürs Schreiben. Circa 50 Bücher hat sie fortan herausgegeben. Unter ihnen

Egal ob Uruguay, Paraguay oder Australien: Muellers Buchreihe für Auswanderer hat was für jeden.

In ihrer neuesten 140 Seiten umfassenden Publikation “Argentinien in Deutschland” versucht die Schriftstellerin eine neue Perspektive zu eröffnen. Das zweisprachige Handbuch vermittelt durch Sachartikel und Interviews einen Einblick in die argentinische community in Deutschland. Dazu gehören Eindrücke und Erfahrungen mit Behörden, Vereinen, Unternehmen, Geschäfte oder auch im Rahmen von Kulturgruppen wie etwa Tangoschulen. Ein Sammlung praktischer Kontakte runden das Leseangebot ab.

Denn, Susanne Mueller will sich in ihrem neuesten Werk nicht nur an die newcomer richten, sondern erfahrenen Landeskenner, das Buch als praktisches Nachschlagewerk mit auf den Weg geben. Voller Bilder und Illustrationen erschafft das Taschenbuch einen Überblick über das Land und deren Sitten. “Argentinien in Deutschland” ist sowohl als Taschenbuch als auch als e-Book erhältlich. 

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