27. 12. 2023

Buenos Aires (AT) – Argentiniens neuer Präsident Javier Milei, der sich in der Kampagane selbst als “Anarchokapitalist” bezeichnete setzt vor allen auf den Energiesektor und die Landsirtschaft, um der maroden argentinischen Wirtschaft neuen Schub zu verleihen.

Die geplanten Maßnahmen könnten allerdings auch auf die weltweite Rohstoffversorgung beeinflussen, wie das Handelsblatt berichtet,

Schließlich ist Argentinien einer der größten globalen Soja- und Mais-Exporteure, und entwickelt sich zunehmend zu einem der weltweit stärksten Lithiumproduzenten. Zudem sitzt Argentinien nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) auf den zweitgrößten Schiefergasreserven und viertgrößten Schieferölreserven der Welt.

 Javier Milei schwenkt eine Kettensäge mit seinem Namen auf einer Wahlkampfveranstaltung. (quelle: lanación.com.ar)

Soja & Co. hoffen

Die argentinische Agrarlobby hat Reuters zufolge große Erwartungen an den neuen Staatschef. Derzeit besteuert Argentinien den Export von Sojaprodukten mit 33%, Mais und Weizen mit 12%.

In den Wochen vor der Wahl hielten die Produzenten, die auf niedrigere Exportsteuern hofften, grosse Teile ihrer Produktion zurück, Das sorgt derzeit dafür, dass das argentinische Getreideangebot auch international knapp ist, zumal die Sojabohnenernte in diesem Jahr deutlich unter den Erwartungen blieb.

Mileis Plan, den Peso abzuschaffen und die argentinische Wirtschaft zu dollarisieren könnte den Produzenten allerdings neue Anreize verschaffen, um den Verkauf von Soja und Co neu zu beleben, berichtet Bloomberg berichtet. Die Anbieter wuerden lieber in US-Dollar statt in der schwachen Landeswährung bezahlt werden, schreibt das Magazin. Seit seiner Amtsübernahme am 10. Dezember hat Milei das Thema Dollarisierung jedoch kaum noch erwähnt.

Das weiße Gold: Als notwendiger Rohstoff für Schlüsseltechnologien verfügen nur wenige Länder – wie Argentinien – über Vorkommen an Lithium. (quelle: lapatilla.com.ar)

Lithium: Warten auf den Markt

Argentinien verfügt Daten von S&P Global zufolge über die weltweit größten Lithiumreserven und –ressourcen. 2027 könnte Argentinien laut dem US-Unternehmen sogar Chile in der Lithiumproduktion überholen. Die Frage bleibt wie sich die unterschiedlichen Strategien der Nachbarländer auswirken können: Chile setzt auf eine Zentralisierung und Verstaatlichung des Bergbaus. Milei setzt dagegen auf Steuersenkungen, flexiblere Arbeitsgesetze und einem freien Spiel der Marktkräfte.

Das Risiko ist, laut Michael Meding, Ressortleiter im Bergbauunternehmen McEwen, dass der libertäre Staatschef nicht in der Lage sein könnte, den für Investitionen erforderlichen sozialen Zusammenhalt aufrechtzuerhalten. Ein weiteres Risiko: Mileis kritische Haltung gegenüber China, dem zweitwichtigsten Handelspartner Argentiniens, der kräftig in die Lithiumproduktion investiert.

Profitieren könnte der Lithum-Sektor allerdings von Mileis Bestrebung, Wechselkurse zu vereinheitlichen. Bergbauunternehmen müssen heute für Importe aus dem Ausland einen künstlich hochgeschraubten Preis zahlen. Die US-Dollar, die sie durch ihre Exporte einnehmen, müssen sie dagegen zu einem für sie unvorteilhaften Wechselkurs in die heimische Währung tauschen.

YPF ist eine börsennotierte, staatliche Ölgesellschaft in Argentinien. (quelle: larazon.com.ar)

Öl: Privatisierung trifft Export

Zu den ersten Ankündigungen des frischgewählten Präsidente zählte eine Welle von Privatisierungen und hier insbesondere der Verkauf des 51-prozentigen Anteils des Staates am Öl- und Gasunternehmen YPF.%.

YPF führt heute die Entwicklung des Vaca-Muerta-Schieferbeckens an, das als eine der größten Ölschiefer-Lagerstätten der Welt gilt. „Wenn Exportbeschränkungen, Kapitalkontrollen, Energiepreiskontrollen und Infrastrukturbeschränkungen vollständig aufgehoben werden, könnte Vaca Muerta bis 2030 zusätzliche 40% bei den Rohöl- und 30% bei den Erdgasvolumina produzieren“, schreiben die S&P-Global-Analysten Ford Tanner und Pedro Martinez in einem Kommentar. Die Aktie von YPF stieg nach der Wahl um bis zu 43% an.

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