20. 02. 2024

Buenos Aires (AT) – Das Treffen in Villanueva 1055, Sitz der deutschen Botschaft in Buenos Aires, am Dienstag war „Verschlusssache“. Das Ziel: den Austausch zwischen dem Lotsen der argentinischen Wirtschaft, Luis Caputo, und mehr als 30 Vertretern deutsch-argentinischer Unternehmen so vertraulich und offen wie möglich zu gestalten, wie das Argentinische Tageblatt erfahren konnte.

In vertraulicher Atmopshäre konnte Caputo dann auch aus dem Vollen schöpfen. Wohl verlautete nach dem vom detuschen Botschafter Dieter Lamlé geführten Treffen kaum ein Wort der besprochenen Themen. Doch sicher ist, vor Managern und CEOs deutsch-argentinischer Dienstleistung, Transport, Industrie sowie der Handelskammer AHK konnte der Minister im Detail darlegen, warum er sich in den letzten Tagen in der Öffentlichkeit optimistisch zeigen konnte.

„Die Inflationsrate für Februar wird eher bei 10% denn bei 20% liegen“, hatte Caputo am Montag in einem Interview mit dem Fernsehsender LN+ am Montag erklärt. Sollte er Recht behalten, wäre es der erste klare und spürbare Schritt, den die Regierung Milei im Kampf, die argentinische Wirtschaft neu zu ordnen, für sich verbuchen kann. Februar würde der dritte Monat in Folge sein, der eine Abwärtstendenz der Preissteigerungsrate zeigt. Waren es im Dezember, 25% und im Januar noch 20%, wäre eine noch tiefere Zahl Bestätigung, dass die Rosskur, die Milei seinem Land abfordert, erste Ergebnisse zeigt. Wenig lässt darauf schließen, dass der für seine Reserviertheit bekannter Caputo, derartige Vorhersagen öffentlich von sich geben würde, wenn er sich nicht sicher sein könnte, das Ziel wenigstens im Ansatz zu erfüllen.

Luis Caputo y Dieter Lamlé
Wirtschaftsminister Luis Caputo (3.v.l.), Botschafter Dieter Lamlé (2.v.r.), AHK Geschäftsführer Günther Neubert (r.) (Foto: Deutsche Botschaft in Buenos Aires).

Auch eine zweite nicht minder positive Nachricht konnte der gelernte Banker und ehemalige Deutsche Bank Manager den gestern im Stadtteil Belgrano anwesenden Gästen erklären: den ersten realen Haushaltsüberschuss, den eine argentinische Regierung in den letzten elf Jahren erwirtschaften konnte.

Haushalstüberschuss nach einem Jahrzehnt

Caputo hatte am Samstag vor der Presse erklärt, das die öffentliche Hand im Januar erstmalig seit 2012 schwarze Zahlen schreiben konnte. Wie der Wirtschaftsminiter erklärte, erwirtschaftete die Regierung im ersten Monta des 2024 einen Finanzüberschuss von 518.408 Millionen Pesos (AR$). Der Primär-Überschuss hatte bei mehr als AR$ 2 Milliarden gelegen, mußte jedoch um die AR$ 1,5 Milliarden für Schuldzinsen eingekürzt werden. “Wir waren jahrzehntelang ein Land, das süchtig nach Defiziten zu sein schien. Wir sind dabei uns davon endlich zu lösen. Doch wie wir auch alle wissen, ist jeder Entzug schwer und hart”, sagte Caputo im Interview am Montag. “Tatsache bleibt: es gibt weltweit keinen Präzedenzfall für einen Defizitabbau um fünf Punkte in einem Monat, und das belegt, dass das commitment des Präsidenten und der Regierung”, sagte Caputo.

Hauptgrund für die guten Zahlen sind die Einsparungen bei Auflagen der “Coparticipación” -einem Bundesfinanzausgleich vergleichbar- die die Zentralregierung den Regierungen der Provinzen abfordert. „Wenn die Gouverneure (der Proviznen) Bildung oder Verkehr weiter subventionieren wollen, werden sie das aus ihren eigenen Kassen und erwirtschafteten Geldern leisten müssen. Andernfalls ist es immer die Zentralregierung hier in Buenos Aires, die wie ein dummer Onkel, Pesos ohne jeglichen Rückhalt druckt verteilt”, begründete Caputo die Strategie.  “Und dann zahlen alle, die wir in diesem Land leben unweigerlich die Konsequenzen”.

Die Neuordnung der Zentralbank

Im Interview mit LN+ bezog sich am Montag Caputo auch auf die prekäre Lage, die die argentinische Zentralbank seit Amtsantritt durchmachen musste und die sich in den letzten Monaten zu stabilisieren beginnt. Die BCRA konnte seit Dezember dank Rückkauf-Aktionen die eigenen Reserven mit über US$ 7 Milliarden wieder aufstocken. „Der Neuaufbau der Zentralbank war hart“, erklärte der Minister und bestätigte Überlegungen seitens der Regierung die seit Jahren bestehenden Devisenbeschränkungen für Privatkunden eventuell im Juni oder Juli aufzuheben. „Die härteste Anpassung unserer Wirtschaft wird zwischen März und  April erfolgen“, so Caputo.

Luis Caputo en la Embajada alemana ante empresarios y representantes de la comunidad empresarial, Febrero 2024
Luis Caputo in “kleiner Runde” vor mehr als 30 Vertretern der deutsch-argentinischen Wirtschaftgemeinschaft (Foto: Deutsche Botschaft in Buenos Aires).

Das Treffen in der deutschen Botschaft am Dienstag ist nur eine der Stationen des road shows, das Caputo in den letzten Tagen in die japanische und us-amerikanische Botschaft führte -wo er unter anderem mit dem republikanischem Senator Marco Rubio zusammentraf- als auch mit globalen CEOs zusammenbrachte. Erst letzte Woche hatte Caputo Citigroup-Chefin, Jane Faeser, in Balcarce 186, dem Sitz des Wirtschaftsministeriums zu Besuch.

Von Citigroups Jane Faeser zu IWF-Vize, Gita Gopinath

Heute dürfte es zu einem meet mit IWF-Vize Gita Gopinath, die zur Visite für zwei Tage nach Buenos Aires kommt. Auch dort das Thema: Wie geht es weiter mit dem “Patienten” Argentinien. Auf der Habenseite zeigen sich erste Lichtblicke. Bleibt abzuwarten wie sich das “Soll” auswirkt, wenn im März und April die stärksten Tarifanpassungen und Preiserhöhungen -etwa bei den Schulen- greifen. Die Umfragen sind Präsident Javier Milei und seiner Regierung noch gewogen mit einer Akzeptanz von 56%, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungs-Unternehmens Poliarquía in diesen Tagen ergab. Allerdings zwei Monate nach Amtsantritt stieg die Ablehungswwerte von 39% (Januar) auf 42%.

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