23. 03. 2025

Buenos Aires (AT) – Stephan Weil ist Ministerpräsident Niedersachsens. Der Sozialdemokrat regiert das mit knapp 47.700 km² zweitgrößte Bundesland der Bundesrepublik seit 2013. In den zwölf Jahren hat es der gebürtige Hamburger (Jahrgang 1958) geschafft, nicht nur einmal, sondern gleich dreimal eine funktionsfähige Koalitionsregierung zu leiten.

Entlang mehr oder weniger großer Klippen koalierte Weil zwischen 2013 und 2017 zunächst mit den Grünen, von 2017 bis 2022 mit der CDU und seit drei Jahren wieder mit den Grünen. Das in einem Bundesland, in dem der Weltkonzern Volkswagen seinen Hauptsitz (Wolfsburg) hat und somit die Spannungen einer sich täglich verändernden Automobilindustrie bis vor die eigene Haustür bringt. 22 Prozent aller Jobs im verarbeitenden Gewerbe hängen in Niedersachsen vom Autobau ab, wie die Hannoversche Allgemeine Ende 2024 berichtete. An sechs niedersächsischen Standorten gibt es VW-Werke. Der Anteil der Autoindustrie an allen Investitionen in dieser Branche liegt in Niedersachsen bei 41 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit sind es 23 Prozent. Das Bundesland und seine knapp acht Millionen Einwohner stehen damit an vorderster Front einer globalen Transformation.

Stephan Weil, Baja Sajonia,
Stephan Weil (SPD) ist Ministerpräsident von Niedersachsen seit 2013. (Foto: AT)

Doch trotz aller Herausforderungen wirkte Stephan Weil in Buenos Aires gelassen. Der SPD-Politiker war zu Besuch in Argentinien. Anlass war unter anderem der Startschuss für die Feierlichkeiten „200 Jahre deutsche Einwanderung“, die 2025 begangen werden. Zum anderen besuchte Weil das Volkswagenwerk in Pacheco, Provinz Buenos Aires. Das Land Niedersachsen besitzt 11 Prozent des Kapitals von Volkswagen. Durch knapp 20 Prozent der Stimmrechte ist es dennoch der zweitstärkste Aktionär – hinter der Porsche Automobil Holding mit 53,3 Prozent.

Dieter Lamlé, Stephan Weil
Zu Besuch im Museum für Einwanderer im alten Hafen von Buenos Aires. (Foto: AT)

Am Rande des von der deutschen Botschaft in Buenos Aires organisierten Termins im Museum für Einwanderer im alten Hafen von Buenos Aires sprach Weil kurz mit dem Argentinischen Tageblatt – unter anderem darüber, wie Koalitionen in politisch turbulenten Zeiten funktionieren.

Argentinisches Tageblatt: Ministerpräsident Weil, Sie können „Koalition“. Sowohl mit der CDU als auch mit den Grünen haben Sie seit knapp 12 Jahren Regierungen gebildet und zusammen regiert. Welche drei Grunderfahrungen können Sie der nächsten Regierung in Berlin mit auf den Weg geben?

Stephan Weil: Die zukünftige Bundesregierung braucht sicher keine Ratschläge aus den Ländern. Aber was sich nach meiner Erfahrung in der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Charakteren und Überzeugungen bewährt, ist Folgendes: Auseinandersetzungen in der Sache sind in einer Koalition völlig okay, sie sollten aber nicht persönlich und vor allem intern geführt werden. Gute Erfahrungen haben wir auch damit gemacht, dem jeweils anderen Partner Erfolge zu gönnen. Und vor allem muss man sich immer wieder vor Augen halten, dass es in den nächsten Jahren darum geht, unsere Demokratie in einer schwierigen Zeit wieder zu stärken. Deshalb sollte man sich nicht zu sehr im Klein-Klein verlieren, sondern gemeinsam gute und verlässliche Politik machen.

Niedersachsen erlebt die „Zeitenwende“ der globalen Autoindustrie an der Hand von VW sehr viel näher – und auch schmerzvoller – als andere deutsche Bundesländer. Die Volkswagen-Gruppe ist gleichzeitig einer der wichtigsten Autobauer in Argentinien. Wie sehr kann ein Auslandsmarkt wie Argentinien helfen, diese Transformation mitzutragen oder abzufedern?

Stephan Weil: Volkswagen ist ein weltweit gut aufgestelltes Unternehmen. Volkswagen Südamerika und besonders Volkswagen Argentinien haben schon jetzt eine große Bedeutung, die in den nächsten Jahren noch deutlich größer werden kann. Die Voraussetzungen dafür sind gut, wie ich bei meinem Besuch im Werk Pacheco gesehen habe.

(*) Mitarbeit: Carolina Iglesias

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