06. 06. 2024

Buenos Aires (AT) Trasa, ist ein Finanzdienstleister, der sich der finanziellen Integration in Armenvierteln verschrieben hat. Auslöser war, wie CEO Ricky Minicucci im Gespräch erklärt, die letzte große Krise in Argentinien. Trasa ist ein “Kind von 2001“, sagt er.

Das Unternehmen, das damals noch Zcom hieß, startete 2002 mit einer Anfangsinvestition von US 10.000 und einer Idee: Argentinier, die in jenen Krisenjahren vor allem in die Vereinigten Staaten und nach Spanien auswanderten, durch Telefonkarten mit den ihrigen in der Heimat zu verbinden. 

„Wir waren das Bindeglied von Auseanderern und ihrer Familien, ohne zu wissen, dass das der Ursprung eines Unternehmens mit das Gesellschaften verbindet“, so Minicucci, der heute Trasa zusammen mit seinen Partnern Diego Damore, Fernando Laje und Marcelo Spallato leitet. Das ehemalige Startup erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von US$ 3,4 Milliarden erwirtschaftet und 155 Mitarbeiter beschäftigt. 

Die Zeit verging und nicht nur der Name änderte sich, auch das Unternehmen. Dessen Ziel ist heute, „die finanzielle Integration der Menschen voranzutreiben und Infrastruktur als auch Finanzdienstleistungslösungen in bedürftige Stadtviertel zu bringen. Das Unternehmen mit KMU-Grösse bietet Geldautomaten, Dienstleistungszentren und Zahlungsmittel an.

Ricky Minicucci, der Kopf hinter der Firma.

Vom ersten Projekt ins Armenviertel

Ihr erstes Projekt war die Einführung der Tarjeta Única, einer Prepaid-Telefonkarte für interne und externe Anrufe. Darus wurde später eine Transaktionsplattform, über die Händler sowohl prepaid Handy-Karten aber -Fernsehenpakete verkaufen konnten. Später kamen prepaid Transport-Karten hinzu. Das Kunden-Netz erreichte in kurzer Zeit mehr als 10.000 Nutzer. Der letzte große Einschnitt war die Gründung von Pago24, einer Plattform für analoge und virtuellen Finanzdienstleistungen. 

2017, so erinnert sich Minicucci, kam Trasa in die Villa 31, eines de grössten Armenviertel von Buenos Aires. Die Villa 31 liegt unweit des Zentrums der argentinischen Hauptstadt, neben dem Hauptbahnhof Retiro: Aufeinander Gewürfelte Häuser, enge Gassen, unzählige Kabel- und Überleitungen versperren immer wieder den Blick in den Himmel. Die sogenannte Villa 31 ist das am dichtesten bevölkerte Armenviertel von Buenos Aires. Das Elendsviertel existiert seit 80 Jahren, heute leben dort mehr als 40.000 Menschen. Die meisten Bewohner von Buenos Aires halten das Viertel für ein extrem gefährliches Terrain, das sie meiden. 

Trasa war das erste Unternehmen, das sich in dem Viertel niederließ. „Wir haben unsere Filiale eröffnet, zwei Mädchen aus der Gegend ausgebildet und damit einen ersten Meilenstein geschafft”, erinnert sich Minicucci. “Dann stellten wir uns einer neuen Herausforderung: Wir wollten den ersten Geldautomaten in einem Armenviertel aufstellen: 2018 war es soweit. Heute ist er rund um die Uhr zugänglich, auf dem Bürgersteig, offen, und er wurde noch nie vandalisiert”.

Einer der Geldautomaten in Villa Lugano, Buenos Aires.

Trasa hat vier Geschäftsfelder: Kommunikation, Leadership, Effizienz und “Tripple Impact”. Im März 2021 wurde Trasa als Unternehmen B-Crop (Benefit Corporation) zertifiziert, das heißt Unternehmen, die sich in ihren Statuten zu gesellschaftlichem Mehrwert und ökologischer Nachhaltigkeit bekennen. Trasa gewann vor kurzem den argentinischen Platin-Award in der Kategorie „Financial Inclusion“ der FA Fintech’s Financial Innovators of the Americas Country Awards 2024. 

„Unser Ziel ist es, die finanzielle Integration für alle zu ermöglichen. Wir versuchen unsere Finanzdienstleistungen und -produkte auf Menschen auszurichten, die in sozioökonomisch schwachen Verhältnissen und in armen Vierteln leben”, erklärte Minicucci gegenüber Forbes Argentina vor kurzem.

Zu den aktuellen Plänen der Firma sagt der entrepreneur: “Wir führen Pago24 Acepto ein, damit alle Händler in der Nachbarschaft Kredit- und Debitakzeptoren mit unseren POS- und/oder Anwendungen sein können. Außerdem führen wir unsere neue Pago24 Bille Wallet ein, die erste Triple-Impact-Wallet, bei der wir uns auf positive Impact-Investments jenseits von Zinskonten spezialisieren werden“. 

Das Unternehmen ist im ganzen Land tätig. Sie haben auch ein aktives Pilotprojekt in den Vereinigten Staaten, in Armenvierteln des Bundesstaates Florida. Dort betreibt Trasa mehr als 20 Geldautomaten. “Auch dort brauchen braucht es Finanz-Integration widmen“. Nächstes Ziel: Paraguay und Uruguay.

Transa verfügt über eine Agentur mit Tripple Impact, Apropósito. „Und bald startet auch unsere neueste Initiative, Trasa Lab. Ihr Ziel ist es, Forschung und Entwicklung zu betreiben, um die Dienstleistungen von Trasa zu verbessern und ausschließlich Unternehmen zu entwickeln, die soziale oder ökologische Probleme lösen können, zum Beispiel in den Bereichen Lebensmittel, Wasser und Bildung“, sagt Minicucci. Auf die Frage nach seiner Finanz- oder Geschäftsstrategie antwortete der Unternehmer ohne Umschweife: „Die Strategie besteht darin, dass wir die besten Menschen sind, die wir sein können“. 

Im Hinblick auf die Zukunft sagt er: „Einerseits suchen wir nach neuen Dienstleistungen wie Geldüberweisungen in Amerika, und damit auch zu unseren Wurzel zurückkommen Familien von Emigranten helfen, Geldüberweisungen von ihren Angehörigen zu erhalten. Finanzielle Integration wird in ganz Lateinamerika benötigt und das bietet eine enorme Wachstumschance.”

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