11. 07. 2024

Buenos Aires (AT) – Im Juni ist die Inflation in Buenos Aires erneut gestiegen. Der Verbraucherpreisindex (VPI), der die Teuerungsrate der argentinischen Hauptstadt mißt, zog im Monatsvergleich um 4,8 % an und unterbrach damit den Abwärtstrend, den er seit Jahresbeginn aufgewiesen hatte. Der Trendwechsel wiegt: der VPI gilt traditionell als Trendbarometer für die landesweite Inflationsrate. Das Statistikamt Indec veröffentlicht am morgigen Freitag den Juni-Wert.

Grund für den Preisanstieg in der argentinischen Hauptstadt war eine neuerliche Anpassung der Strom– und Gastarife in Verbindung mit der Erhöhung der Kosten bei Nahverkehr und Krankenversicherungen. Demgegenüber blieben die Preise für Lebensmittel und Kleidung unter dem Durchschnitt.

Die Daten der Generaldirektion für Statistik und Volkszählung in Buenos Aires (DGEyC) zeigen eine Beschleunigung um 0,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Mai. Im Vormonat hatten die Lebenshaltungskosten in Buenos Aires mit einem Plus von 4,4%, ihren niedrigsten Anstieg seit Februar 2022 aufgewiesen. Für das gesamte erste Halbjahr gab der DGEyC eine Inflationsrate in der argentinischen Hauptstadt von Plus 88,9% aus. Zum Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 272,7%.

Steigende Strompreise waren die Hauptursache für die Inflation im Juni in Buenos Aires.

Die Preistreiber: Wasser, Strom und Gas

Die Lebensmittelpreise, Hauptkomponente des Warenkorbs zur Messung der Inflation, stiegen im Juni um 2,7 Prozent (80,6 Prozent im Halbjahr) und damit unter dem Durchschnitt. Nach Angaben der Behörde verteuerten sich in diesem Segment vor allem Milchprodukte und Eier (4,6%), Brot und Getreide (3,2%) sowie Gemüse, Kartoffeln und Hülsenfrüchte (3,1%). Analysten hatten für Juni einen Anstieg der Lebensmittelpreise um etwa 3% erwartet

Fast ein Viertel der Inflation in Buenos Aires erklären sich im Juni dagegen durch die Preisanstiege bei Wasser, Strom, Gas, Benzin und Diesel. Im Juni legten diese um 7,3 % zu und machten damit 1,32 Prozentpunkte der Gesamtinflation von 4,8 % aus. Hinzu kamen Preisanpassungen -wenn auch schwächer- bei Mieten und Baukosten. Insgesamt zeigte Versorgung & Dienstleistungen einen Anstieg um 102,8 % im ersten Halbjahr 2024. In Buenos Aires wiegt sich die Versorgung stärker auf die Preisentwicklung aus als im landesweiten Vergleich.

Der Rückgang bei den Lebensmitteln um einen Prozentpunkt war zu erwarten, so die Experten der Wirtschaftsberatung Consultora Ledesma.

Ein weiterer “Inflationstreiber” war Bildung. Insbesondere aufgrund der erneuten Gebühren-Anpassungen bei Privatschulen, die einen wesentliches Standbein des argentinischen Schulsystems ausmachen. In den Schulen von Buenos Aires kam es hier im Monatsvergleich zu Anstiegen um 6,5 %; im Halbjahr um 97,6 %.

Zu weiteren wenn auch schwächeren Preisschüben kam es bei Versicherungs- und Finanzdienstleistungen (+ 11,7%) sowie bei Restaurants und Hotels (+6,4%). Bei Transport und Nahverkehr kam es zu einem Plus von 4,7%. Obwohl der Wert der Zug- und Bustarife unverändert blieb, machte sich hier vor allem die Anpassung des U-Bahn-Tarifs bemerkbar: eine einfache Fahrt kostet ab dem 1. Juni nunmehr AR$ 650 (ca. EUR 0,50).

Die Erhöhung der U-Bahn-Tarife wirkte sich im Juni auf die Inflation aus.

Im Rahmen der Trendwende gab es in der Hauptstadt aber auch eine gute Nachricht. So stieg der Referenzwert der “Kerninflation” in Buenos Aires im Juni um 4,1%. Im Mai waren es noch 5,1%. “Der Rückgang war zu erwarten: bei den Nahrungsmittel sehen wir seit einiger Zeit schon eine Abwärts-Tendenz in Richtung der 2%-Marke”, zitiert die Zeitung La Nacion den Gabriel Caamaño, Leiter der Wirtschaftsberatung Consultora Ledesma

Ingesamt hatte Analysten von Bertaungsunternehmen wie EcoGo (Marina Dal Poggeto), C&T Asesores Económicos (Camilo Riscornia), Equilibria (Martín Rapetti / Diego Bossio) oder Econviews (Miguel Kiguel) für Juni bereits einen Anstieg der monatlichen Inflation gerechnet. Im Durchschnitt lagen ihre Erwartungen für die Teuerungsrate in der argentinischen Haupstadt bei 5,2%, einem Wert der aufgrund der schwächeren Tendenz bei Lebensmitteln nach unten nachgab.

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