28. 11. 2023

Buenos Aires (AT) – Am vergangenen Montag, als der lokale Finanzmarkt wegen des Feiertags geschlossen war, verzeichneten argentinische Unternehmen an der Wall Street einen Kursanstieg von US$ 6 Milliarden. Dies war die erste Reaktion der Anleger nach dem Wahlsieg von Javier Milei, dem Kandidaten, der sich offen gegen Preisabsprachen, Devisenkontrollen und staatliche Regulierungen ausgesprochen hatte. Dieser Anstieg setzte sich im Laufe der Woche fort. Nach den ersten fünf Tagen von Javier Milei als president elect, beendeten die lokalen Unternehmen die Woche mit einem Wertzuwachs von US$ 12 Milliarden an der New Yorker Börse. Dieses Resultat ergibt sich aus dem Vergleich der Marktkapitalisierung der 21 argentinischen Unternehmen, die in den Vereinigten Staaten gelistet sind. Diese Ziffer gibt an, wie viel ein bestimmtes Unternehmen nach dem Preis der auf dem Kapitalmarkt zirkulierenden und gehandelten Aktien wert ist. 

Laut einem Bericht des Investmenthauses Portfolio Personal de Inversiones (PPI), den die Zeitung La Nación veröffentlicht, hatten die argentinischen Unternehmen einen Gesamtwert von US$ 108 Milliarden, bei Handelsschluß am Freitag, 17. November. Am Montag (20. November), einen Tage nach der Entscheidung für Javier Milei (er schlug Sergio Massa mit 55,7% der Stimmen), stieg dieser Wert auf US$ 115 Mrd; am Freitag waren es US$ 120 Mrd. 

Die Märkte reagieren auf den Sieg von Javier Milei. (quelle: france24.com)

“Am Montag nach der Wahl stiegen die Aktien im Ausland stark an. Es war ein wirklich euphorischer Tag.(…) Alle Vorschläge des künftigen Präsidenten sind im Allgemeinen sehr positiv für den Finanzmarkt, ganz zu schweigen von der vorgeschlagenen Privatisierung von Unternehmen, einschließlich YPF”, faßte Lucas Caldi, Corporate Credit Team Leader bei PPI, die Stimmung mit der Wall Street in den letzten sieben Tagen argentinische Unternehmen bewertete.

Das günstige Klima spiegelte sich vor allem im gesamten Energiesektor wider. Für Juan Manuel Vázquez, Head of Equity Research des Investmenthauses Puente würde vor allem ein neues Import-/Export Preisverhältnis, das eine höhere Öl- und Gasproduktion ermöglicht, kurzfristig Früchte tragen. Ein Beispiel: Transportadora de Gas del Sur, ein Erdgasversorger, verzeichnete in den letzten sieben Tagen eine wöchentliche Neubewertung von US$ 495 Mio. (+31 %). Die Elektrizitätserzeuger Central Puerto und Pampa Energía, konnten jeweils um US$ 266 Mio (+29 %) und US$ 465 Mio. (+23 %) zulegen. Der Oil&Gas-Produzent Vista Oil Gas erhöhte seine Marktkapitalisierung um 504 Mio. US$ (+20 %).

Die neue Regierungsmannschaft um Javier Milei setzt darauf, mittels Preisanreizen und einem schnellen Rückzug des Staates, Investitionen zu fördern.

Pampa Energy ist eines der wichtigsten Unternehmen im argentinischen Energiesektor. (quelle: pampaenergy.com.ar)

“Der Energiesektor könnte ein großer Gewinner sein. Es verfügt über ein enormes Potenzial. Vor allem durch das Kompetenzprofil der Vaca-Muerta-Erschließung und hier sowohl für den Export als auch für den Binnenmarkt. Bis 2024 erwartet dieser Sektor einen Energiehandelsüberschuss von ca. US$ 2,3 Mrd. Zum Vergleich: Für die Energie-Handelsbilanz 2024 erwarten wir einen Überschuss von ca. US$ 2,3 Mrd., während 2023 ein Defizit von US$ 760 Mio. verzeichnen dürfte. Schon heute ist das Defizit ist den zweiten Monat in Folge rückläufig”, zitiert La Nacion den Forschungsanalysten bei Cocos Capital, Fermín Ezequiel López.  

Bei den Banken sind die Aussichten anders. Im Laufe der Woche bewegten sie sich in einer Art Pendelbewegung, entsprechend den Äußerungen von Milei über seine Absicht, das Problem der von der Zentralbank ausgegebenen Liquiditätsscheine, den sogenannte Leliqs, anzugehen. Doch auch sie beendeten die Woche im positiven Bereich. Grund waren die Zuwächse, die am Freitag die Nachricht verursachte, das der ehemalige Finanzminister und Zentralbankspräsident Luis Caputo das Amt des Wirtschaftsministers übernehmen könnte: Grupo Supervielle (+48 %) führte die Entwicklung an, gefolgt von Banco Macro (+28 %), Grupo Financiero Galicia (+23 %) und BBVA (+19 %).

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