07. 03. 2024

Buenos Aires (AT) – Sei es für Nahrungsmittel oder Biodiesel- Palmöl ist gefragt. Jedoch ist es auch von Kritik geprägt: Die zunehmende Zahl der Ölpalmen-Plantagen zerstört Regenwald und sorgt für erhebliche ökologische und soziale Probleme in den Erzeugerländern. Heimische Ölpflanzen wie Raps und Sonnenblumen sind Studien zufolge jedoch keine Alternative, um das begehrte Öl zu ersetzen, da die Ausbeute eher gering ist. Das Hamburger Start-up COLIPI entwickelt eine klimafreundliche Alternative zu Palmöl.

Um die globale Erderwärmung zu bekämpfen, ermutigen Regierungen auf der ganzen Welt zunehmend Unternehmen, nachhaltigere Maßnahmen zu ergreifen. Was mit der EU-Richtlinie über die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) begann, könnte bis zum Jahr 2030 in einem weltweit durchsetzbaren Preis für Kohlendioxidemissionen in Höhe von 215 Dollar pro Tonne gipfeln. Dies wird die meisten der heutigen Wertschöpfungsketten unter existenziellen Druck setzen.

Colipi, das Hamburger Start-Up, das heute in Buenos Aires im Rahmen des German Accelerator-Förder-Programms in Buenos Aires und Lateinamerika landet, will das ändern. “Unser Climate Oil kann das weltweit nachhaltigste Öl werden”, erklärt Co-Funder Maximilian Webers. Das 2022 gegründete Start-up, ist ein spin-off der Technischen Universität Hamburg und wird gefördert durch das EXIST-Forschungstransferprogramm (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) und das InnoRampUp-Programm (IFB Innovationsstarter GmbH).

“Unser heutiger Konsum wird nicht mehr die Lebensqualität unserer Kinder und künftiger Generationen gefährden” (colipi.com)

Im Gespräch mit dem Argentinischen Tageblatt, erklärte Maximilian Webers kurz vor der Abreise nach Buenos Aires warum gerade Argentinien besonders interessant für diesen Sektor ist.

AT: Wie kamen Sie auf Ihre Geschäftsidee?
Webers:
In unsere aktuelle Geschäftsidee sind wir reingewachsen, immer mit der Absicht, die weltweit nachhaltigste Ölalternative anzubieten, mit dem kleinsten CO2- und Umwelt-Fußabdruck. Gestartet sind wir mit einem Bioprozess, der Zucker, z.B. vom Zuckerrohr, in eine Palm- bzw. Sojaöl-Alternative umwandelt. Das machen wir mit Hefen in einem Bioreaktor, das funktioniert quasi wie Bierbrauen. Dann haben wir aber festgestellt, dass viele Lebensprozesse CO2 produzieren, also auch unsere Hefen. Das passiert auch bei der Produktion von Biotehanol und Biogas. Und wenn dabei auch noch Zucker genutzt wird, verursachen wir potentiell sogar indirekt Waldrodung. Wir mussten uns also mehr anstrengen. Dann kamen wir auf die bahnbrechende Idee, CO2 direkt in eine Palm- bzw. Sojaöl-Alternative umzuwandeln. Dafür nutzen wir die weltweit schnellsten CO2-umwandelden Lebewesen, was Bakterien sind, haben für diese einen speziellen und patentierten Bioreaktor gebaut. Neben CO2 fressen die Bakterien noch H2 (Wasserstoff) und O2 (Sauerstoff). Jetzt brauchen wir keine Fläche, da keinen Zucker und verbrauchen mehr CO2 als wir produzieren.

Maximilian Webers, Mitgründer der erfolgreichen Start-Up.

Der Kohlenstoff wird nicht aus dem Boden gepumpt, sondern aus der Luft gewonnen oder gefiltert. CO2-haltige Industrieemissionen und organische Nebenprodukte, zum Beispiel aus der Landwirtschaft, werden von Mikroorganismen durch Fermentationen in wertvolle Biomaterialien wie Klimaöl umgewandelt. Das Öl ist nachhaltiger als Rohöl und Palmöl, wenn man den CO2-Fußabdruck und die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt betrachtet. Ermöglicht wird dies durch einen patentierten Bioprozess, eine Kombination aus einem speziell entwickelten Gasfermentations-Bioreaktor und den weltweit schnellsten CO2-verbrauchenden Bakterien.

AT: Was wissen Sie über Argentinien und/oder Lateinamerika?
Webers:
Wir wissen, dass LATAM eine große Tradition in der Bioökonomie hat, angefangen mit Bioethanol und Biogas. Die Landwirtschaft ist einer der größten Industriezweige, z.B. mit Sojaprodukten, und Südamerika wird eine entscheidende Rolle in der Produktion von nachhaltiger Energie, etwas mit Solar-, Wasser- oder Windkraftwerken, wobei dieser grüne Strom in grünen Wasserstoff umgewandelt werden kann.

AT: Warum ist ihr Climate Oil in Argentinien förderlich?
Webers:
Mit deutscher Technologie wollen wir in Argentinien Arbeitsplätze, Wohlstand und Umweltschutz schaffen, indem wir z.B. von argentinischen Biogasanlagen, Aluminiumproduktionen oder fossilen Stromkraftwerken da CO2 abfiltern, in unseren Carbon Capturing & Utilization Brozess geben und vermarktbare Biomaterialen wie Öle produzieren. Die argentinische Industrie spart damit den Kauf von CO2-Zertifikaten und macht einen Extraumsatz auf Basis von CO2. Klimaziele werden erreicht. Mehr Geld wird nachhaltig erwirtschaftet. Unser Öl können von lokalen Firmen in Sustainable Aviation Fuel umgewandelt werden, um nationalen und internationalen Fluglinien als grüner Treibstoff zu dienen.

AT: Was erwarten Sie von Ihrer Expansion nach Lateinamerika im Rahmen des German Accelerator?
Webers:
Wir möchten potentielle Partner kennenlernen, etwa CO2-Quellen oder Öl-Konsumenten. Idealerweise könnten wir noch Ende 2024 oder 2025 mit staatlich geförderten Pilotprojekten beginnen.



Das Hamburger Start-up COLIPI hat eine weltweit einzigartige Technologie entwickelt, um eine klimafreundliche Alternative für Palmöl zu produzieren. Im Rahmen des German Accelerator Hub in Buenos Aires, landet nun auch diese erfolgreiche Start-Up zum ersten Mal in Lateinamerika.
Das vielversprechende Climate Oil. (hamburgnews.com)

“Wir stellen uns eine Zukunft vor, in der eine hohe Lebensqualität, gestützt durch nachhaltige Produkte und Dienstleistungen, für alle zugänglich ist”. Ihr Ziel ist es die auf Präzisionsfermentation basierende Wertschöpfungsketten durch die auf Erdöl und Pflanzenöl basierenden Wertschöpfungsketten zu ersetzen. 

Die Gründer Philipp Arbeiter, Tyll Utesch, Jonas Heuer und Maximilian Webers haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2039 jährlich viele Millionen Tonnen Klimaöl zu produzieren und dadurch die CO2-Emissionen um ein Vielfaches zu reduzieren. Damit leisten sie einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und damit zum Wohl der Menschheit. Die vor kurzem abgeschlossene Seed-Finanzierung ist ein weiterer Meilenstein für das junge Unternehmen. 1,8 Mio. Euro haben sich die Jungunternehmer in einer Frühphasenfinanzierungsrunde für die Weiterentwicklung ihres CO2-neutralen “Climate Oil” gesichert. Laut BioÖkonomie gehören zu den Investoren der High-Tech Gründerfonds (HTGF), der Innovationsstarter Fonds Hamburg (IFH), die Nidobirds Ventures GmbH und Stefan De Loecker. „Die COLIPI-Gründer sind mit ihrer hohen technischen Kompetenz in der Biotechnologie und ihren wirklich innovativen Ansätzen zur nachhaltigen Lösung einer großen Herausforderung ein Paradebeispiel für das Potenzial der Bioökonomie“, so Nik Raupp, Senior Investment Manager beim HTGF.

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