Neuquén – Der Vorstandsvorsitzende und CEO von YPF, Horacio Marín, gab sich selbstbewusst am Mittwoch zum Start der fünften Ausgabe des Energie-Meetings Vaca Muerta Insights 2025, das die Verlagsgruppe La Mañana de Neuquén einmal im Jahr in Neuquén, der inoffiziellen Hauptstadt der Vaca-Muerta-Region veranstaltet.
Im Rahmen des Panels “Vaca Muerta vor einem Produktionssprung” erklärte der YPF-Chef: “Unser Ziel ist es, bis zum Ende des Jahres eine Produktionsmenge von 200.000 Barrel zu erreichen.” Der Oil & Gas-Produzent produziert derzeit zwischen 150.000 und 160.000 Barrel pro Tag. Der argentinische Staat ist Mehrheitseigner des 1922 gegründeten Konzerns.
Eines der wichtigsten Projekte des Unternehmens für 2025 ist das Projekt Andes, das sich von den konventionellen Lagerstätten abwendet, um sich auf Vaca Muerta zu konzentrieren. Marín erklärte, dass der Konzern im zweiten Halbjahr dieses Jahres “aus allem raus sein sollte.”
Die Umstellung auf Shale
Der Konzern stehe an der Schwelle zu einer neuen Ära, in der die Umstellung auf das Schieferölsegment zur Produktionssteigerung im Fokus stehe, so Marín. Als Beispiel nannte der CEO die Erfahrungen in der Nachbarprovinz Chubut im Süden des Landes, wo der Konzern den Ausstieg aus ausgereiften Produktionsfeldern erfolgreich erprobt habe – Feldern, die jahrzehntelang die Produktion in Argentinien aufrechterhielten. “In Chubut haben wir den Prozess bereits abgeschlossen. Jetzt verkauft Tecpetrol (Anm. d. Red.: Tecpetrol ist ein Tochterunternehmen der italo-argentinischen Industriegruppe Techint) die Vermögenswerte. In der Provinz Santa Cruz ist der Prozess ebenfalls abgeschlossen,“ erklärte Marín. In den Gebieten der Provinz Tierra del Fuego (Feuerland) finden derzeit Verhandlungen mit den Provinzregierungen statt, schloss der CEO.

Fokus: Vaca Muerta
Marín zeigte sich optimistisch über die Entwicklung von Vaca Muerta in diesem Jahr. Insbesondere die VMOS-Pipeline (Vaca Muerta Oil Sur) stelle einen Wendepunkt für den gesamten Energiesektor des Landes dar. “Nach der Inbetriebnahme kann die Provinz Neuquén bis zu 1,5 Millionen Barrel pro Jahr fördern und bestehende Engpässe beseitigen,” erklärte er.
Marín bezog sich auch auf die Produktionskosten und die Wettbewerbsfähigkeit von Vaca Muerta im Vergleich mit anderen Fördergebieten weltweit. “Ich höre immer wieder, dass Argentinien nicht wettbewerbsfähig ist. Doch das liegt nicht an den Lohnkosten, sondern an den Stückkosten. Die Betreiber zahlen für Dienstleistungen in Vaca Muerta viel höhere Stückkosten als etwa in Permian (Anm. d. Red.: das Produktionsgebiet für Schieferöl und -gas im Süden der USA),” so der CEO. So sei kürzlich betont worden, dass ein Bohrloch in Vaca Muerta im Vergleich 35 % teurer sei als in den Vereinigten Staaten. “Doch das ist unlogisch,“ erklärte Marín. Zudem verhandelt das Unternehmen weltweit mit Partnern über weitere Kostensenkungen.
“Als YPF müssen wir mehr an uns selbst glauben. Im weltweiten Vergleich ist unser Unternehmen genauso groß wie Halliburton. Wir sind der Konzern, der in Lateinamerika am meisten investiert und die meisten Bohrungen durchführt,” appellierte Marín.
Vorzeigeprojekte rund um LNG
Marín erinnerte an den Fortschritt der LNG-Projekte (Liquefied Natural Gas) des Unternehmens. “Wenn die Stückkosten zwischen 10 und 7 Prozent teurer sind als in den Vereinigten Staaten, sind wir gut aufgestellt,” sagte er. Er bezog sich damit auf das Strategieprojekt ARG LNG, das unter anderem ein Joint Venture mit Pan American Energy (PAE) umfasst. Dieses zielt auf die 2024 vorgestellte Exportinitiative mittels neuer und großflächig ausgebauter Flüssiggas-Infrastruktur, die derzeit in Tiefseehäfen an der Atlantikküste (Provinz Río Negro) entsteht. Das Gemeinschaftsprojekt wird von PAE angeführt. “Auf der Ceraweek hatte ich sehr gute Treffen diesbezüglich. Bis zum Ende des Jahres werden wir 28 Tonnen LNG geliefert haben,” versicherte Marín. Ein weiteres LNG-Projekt ist eine Kooperation mit Shell, zu der im April bereits neue Informationen veröffentlicht werden könnten.

YPF unter Horacio Marín
Nach der Übernahme der Geschäftsleitung hat Marín den sogenannten “4×4”-Plan initiiert. Sein Ziel: den Wert des Unternehmens bis zum Ende seiner Amtszeit zu vervierfachen. Zu diesem Zweck hat er die Strategie auf die rentabelsten Geschäftsbereiche konzentriert – mit einer starken Ausrichtung auf Schieferöl in Vaca Muerta und dem Ausbau der Infrastruktur für den Rohölexport.
Maríns Start war bisher vielversprechend: Nach einem Verlust von 1,277 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 erzielte YPF im Jahr 2024 einen Gewinn von 2,393 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus plant das Unternehmen, im Jahr 2025 3,3 Milliarden US-Dollar in neue Ölbohrungen in Vaca Muerta sowie in die Erweiterung des Kohlenwasserstoff-Transportsystems zu investieren. Damit will Marín bis 2031 die Kohlenwasserstoffexporte auf 30 Milliarden US-Dollar steigern.
Eines der ehrgeizigsten Projekte unter der Leitung von Marín ist der Bau der bereits erwähnten Ölpipeline und des Hafenterminals Vaca Muerta Oil Sur in der Provinz Río Negro. Die geschätzten Investitionen belaufen sich auf 2,9 Milliarden US-Dollar.
Mit fast vier Jahrzehnten Erfahrung in der Energiewirtschaft verfügt Marín über das nötige Know-how, um den Traditionskonzern neu aufzustellen.
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