Deutschland und Argentinien haben ihre bilaterale Zusammenarbeit im Agrar- und Ernährungsbereich auf eine neue Grundlage gestellt. Im Rahmen der 138. Exposición Rural de Palermo unterzeichneten beide Länder eine Gemeinsame Erklärung, die den Ausbau des Handels, der agrarwissenschaftlichen Zusammenarbeit und des Wissensaustauschs vorsieht. Das Abkommen tritt mit der Unterzeichnung in Kraft und gilt zunächst für fünf Jahre.
Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Unterzeichnet wurde die Erklärung von Sergio Iraeta, Argentiniens Staatssekretär für Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei, sowie von Martina Englhardt-Kopf, Parlamentarische Staatssekretärin im deutschen Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Ziel sei es, die Zusammenarbeit in der Agrarpolitik, der Forschung und der Entwicklung nachhaltiger Wertschöpfungsketten zu intensivieren und dabei die jeweiligen nationalen Prioritäten und Zuständigkeiten zu respektieren.

Das Dokument hebt die strategische Bedeutung von Landwirtschaft, Viehzucht, Agrarindustrie, Forstwirtschaft sowie der damit verbundenen Wertschöpfungsketten hervor. Beide Regierungen betrachten diese Bereiche als wesentliche Voraussetzungen für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und eine ausgewogene wirtschaftliche Entwicklung.
Deutschland bleibt wichtiger Absatzmarkt
Deutschland zählt weiterhin zu den bedeutendsten europäischen Abnehmern argentinischer Agrarprodukte. Nach Angaben der argentinischen Regierung exportiert das Land jährlich Agrar- und Lebensmittel im Wert von mehr als 500 Millionen US-Dollar nach Deutschland. Zu den wichtigsten Produkten gehören Rindfleisch, Honig, Tierfutter, Obst, Erdnüsse sowie Wein und andere Erzeugnisse der Weinwirtschaft.

Beide Seiten bekannten sich zudem ausdrücklich zu einem offenen, fairen und regelbasierten internationalen Handel im Einklang mit den Verpflichtungen der Welthandelsorganisation (WTO). Dieses Bekenntnis gewinnt vor dem Hintergrund wachsender handelspolitischer Spannungen und steigender Nachhaltigkeitsanforderungen im internationalen Agrarhandel zusätzliche Bedeutung.
Forschung und Innovation im Mittelpunkt
Die Vereinbarung beschränkt sich nicht auf den Warenaustausch. Sie schafft vielmehr einen institutionellen Rahmen für eine engere Zusammenarbeit bei agrarpolitischen Strategien, wissenschaftlicher Forschung sowie beim Austausch technischer und regulatorischer Erfahrungen.

Die deutsche Delegation setzte sich aus Regierungsvertretern, Unternehmen der Agrartechnik- und Betriebsmittelbranche, Wissenschaftlern sowie Vertretern landwirtschaftlicher Erzeugerorganisationen zusammen. Während ihres Besuchs auf der Landwirtschaftsausstellung führten sie Gespräche mit Vertretern der argentinischen Agrarwirtschaft, um neue Möglichkeiten für Investitionen und technologische Kooperationen auszuloten.
Signal für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen
Die Gemeinsame Erklärung ist rechtlich zwar kein Handelsabkommen, sie setzt jedoch einen politischen Rahmen für eine intensivere Zusammenarbeit in einem Sektor, der für beide Volkswirtschaften von zentraler Bedeutung ist. Gerade vor dem Hintergrund der laufenden Debatten über Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und internationale Lieferketten könnte die engere Kooperation zusätzliche Impulse für Unternehmen, Forschungseinrichtungen und landwirtschaftliche Organisationen in beiden Ländern schaffen.

Für die deutschsprachige Gemeinschaft in Argentinien unterstreicht die Vereinbarung zugleich die traditionell engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern und die weiterhin hohe Bedeutung Deutschlands als Partner für den argentinischen Agrar- und Ernährungssektor.





Hacé tu comentario