30 Löwen und Tiger verließen in einer der bislang größten Rettungsaktionen von VIER PFOTEN den ehemaligen Zoo Luján in der Provinz Buenos Aires. Nach monatelangen tierärztlichen Untersuchungen und logistischen Vorbereitungen wurden 15 Tiere in das LIONSROCK Big Cat Sanctuary in Südafrika und weitere 15 in das The Wild Animal Sanctuary im US-Bundesstaat Colorado gebracht. Hinter dem Einsatz steht eine österreichische Organisation, die inzwischen weit mehr Verantwortung übernommen hat als den eigentlichen Transport der Tiere.
VIER PFOTEN wurde 1988 von Heli Dungler und Mitstreitern in Wien gegründet und entwickelte sich zu einer weltweit tätigen Tierschutzorganisation. In Argentinien begann ihr Engagement in Luján mit dem Ziel, für Dutzende Tiere eine dauerhafte Lösung zu finden, die auch Jahre nach der Schließung des Zoos noch auf dem Gelände lebten.
Von Wien nach Luján: Verantwortung für mehr als 60 Großkatzen
Der Zoo Luján, rund 70 Kilometer westlich von Buenos Aires, wurde 2020 wegen Sicherheits- und Tierschutzbedenken geschlossen. Bekannt geworden war die Anlage unter anderem dadurch, dass Besucher direkten Kontakt mit Löwen und Tigern hatten und sich mit ihnen fotografieren lassen konnten.

Nach Angaben von Luciana D’Abramo, Chief Programme Officer von VIER PFOTEN, lebten zum Zeitpunkt der Schließung etwa 200 Großkatzen dort. Als die Organisation 2023 erstmals nach einer Lösung suchte, waren es noch 112. Im August 2025 stellte ein Team bei einer Bestandsaufnahme mehr als 60 Großkatzen und zwei Bären fest. Am 1. September übernahm VIER PFOTEN schließlich die Verantwortung für Haltung, tierärztliche Versorgung und laufende Kosten.
Die Dimension des Problems zeigte sich bei den anschließenden Untersuchungen. Innerhalb von weniger als einem Monat wurden 32 Löwen, 30 Tiger und zwei Bären, insgesamt 64 Tiere, veterinärmedizinisch untersucht. Festgestellt wurden unter anderem Zahn- sowie Nieren- und Leberprobleme, Verletzungen, Muskelabbau und Folgen früherer Krallenentfernungen. Einige Tiere waren stark übergewichtig oder konnten sich nur eingeschränkt bewegen.
„Das allein zeigt das Ausmaß der Überbelegung und die Bedingungen, die diese Tiere ertragen mussten“, sagte D’Abramo.
Training statt Narkose
Der aktuelle Transport erforderte eine monatelange Vorbereitung. Tierpfleger trainierten einen Teil der Großkatzen darauf, freiwillig in die speziell angefertigten Transportboxen zu gehen. Tiere, bei denen dies aufgrund ihrer Haltung oder Gruppenkonstellation nicht möglich war, wurden unter tierärztlicher Aufsicht kurzzeitig sediert.

Das Team um die Tierärzte Amir Khalil, Marina Ivanova, Slaveya Ivanova und Julia Bohner begleitete diesen Teil der Operation. Nach Angaben von VIER PFOTEN verlief das Verladen der 30 Tiere ohne Zwischenfälle. Anschließend wurden die Boxen auf vier Lastwagen verteilt und zum Flughafen von Buenos Aires gebracht.
Neun Tiger und sechs Löwen gingen nach LIONSROCK in Südafrika, einem von VIER PFOTEN betriebenen Schutzgebiet mit mehr als 80 Großkatzen und rund 60 Hektar naturnahen Gehegen. Acht Tiger und sieben Löwen wurden nach The Wild Animal Sanctuary in Colorado gebracht.
Ein österreichisch-argentinisches Projekt mit politischem Ziel
Die Arbeit in Luján ist Teil einer umfassenderen Kooperation. Im Juli 2025 unterzeichneten VIER PFOTEN und die argentinische Regierung ein Memorandum of Understanding. Es soll nicht nur die Situation der Tiere des ehemaligen Zoos lösen, sondern auch Reformen der Tierschutzbestimmungen voranbringen.

Nach Angaben der Organisation gehört dazu das Ziel, die private Haltung und den kommerziellen Handel mit Großkatzen in Argentinien zu beenden. VIER PFOTEN fungiert dabei als unabhängiger Berater für Behörden und Gesetzgeber und soll Fachwissen zur Beurteilung der Haltungsbedingungen zur Verfügung stellen.
Auch die argentinische Regierung begleitet das Projekt. Daniel Scioli, Staatssekretär für Tourismus und Umwelt, traf sich im Vorfeld des Transports mit dem VIER-PFOTEN-Tierarzt Amir Khalil, um die nächsten Schritte der Umsiedlung zu besprechen. Bereits im Februar 2026 waren zwei Braunbären und eine Tigerin aus Luján in europäische Schutzzentren gebracht worden.
Die Rettungsaktion ist noch nicht beendet
Mit der Ausreise der 30 Löwen und Tiger ist die Aufgabe in Luján allerdings nicht abgeschlossen. Mehr als 20 Großkatzen bleiben vorerst auf dem Gelände, während VIER PFOTEN nach langfristigen, artgerechten Unterbringungsmöglichkeiten sucht.

Damit verbindet die Mission zwei Ebenen: die unmittelbare Rettung einzelner Tiere und den Versuch, die Bedingungen zu verändern, die eine solche Situation überhaupt entstehen ließen. Für die 1988 in Wien gegründete Organisation wurde der ehemalige Zoo Luján damit zu einem ihrer bislang größten und komplexesten internationalen Noteinsätze.





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