12. 08. 2026

Die europäischen Gesundheits-, Pflanzenschutz- und Umweltstandards gelten in Teilen der argentinischen Landwirtschaft als eine der größten Herausforderungen des EU-Mercosur-Abkommens. Inmaculada Montero Luque, auf EU-Seite für Handelsfragen des Abkommens zuständig, widerspricht jedoch der Vorstellung, Argentinien müsse sich erst grundsätzlich an die europäischen Anforderungen anpassen. Beim Aapresid-Kongress 2026 erklärte sie, das Land erfülle viele der entscheidenden Standards bereits heute.

Montero Luque verwies darauf, dass Argentinien schon seit Jahren Fleisch, Obst und zahlreiche andere Agrarprodukte in die Europäische Union exportiert. Diese Waren müssten deshalb bereits jetzt die europäischen Gesundheits- und Pflanzenschutzvorschriften erfüllen.

„Argentinien handelt bereits mit der Europäischen Union“, erklärte die EU-Vertreterin gegenüber dem Agrarmedium Valor Agro. Dass Fleisch, Obst und zahlreiche weitere Produkte schon ohne die neuen Möglichkeiten des Abkommens auf den europäischen Markt gelangten, bedeute, dass sie die entsprechenden Standards bereits erfüllten.

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Argentinisches Fleisch, Obst und andere Agrarprodukte gelangen schon heute unter den geltenden EU-Vorschriften nach Europa.

Das Abkommen senkt diese Anforderungen nicht. Im Gegenteil: Die EU hat ausdrücklich festgelegt, dass ihre Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit sowie zum Tier- und Pflanzenschutz auch für Importe aus dem Mercosur unverändert gelten.

Der entscheidende Unterschied liegt nach Einschätzung Montero Luques deshalb weniger in neuen Gesundheitsstandards als in einem klareren institutionellen Rahmen. Das entsprechende Kapitel des Abkommens definiere die Anforderungen und schaffe Mechanismen für den Dialog, falls bei der Anpassung in Argentinien oder den anderen Mercosur-Staaten Fragen oder Probleme auftreten.

„Das sind keine Handelsbarrieren“

Die EU-Vertreterin wandte sich auch gegen eine in Teilen des Agrarsektors verbreitete Interpretation der europäischen Vorschriften als Handelshemmnisse.

Aus Sicht Brüssels handelt es sich vielmehr um Bedingungen für den Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Wer Lebensmittel in der Europäischen Union verkaufen will, muss dieselben Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften erfüllen, unabhängig davon, aus welchem Drittstaat die Produkte stammen.

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„Für Argentiniens Exporteure sind viele EU-Anforderungen keine neue Hürde, sondern längst Teil des bestehenden Handels.“ Inmaculada Montero Luque.

Die Europäische Kommission betont ausdrücklich, dass die Gesundheits- und Pflanzenschutzstandards der EU durch das Mercosur-Abkommen nicht verhandelbar werden. Importierte Lebensmittel müssen deshalb dieselben grundlegenden Anforderungen erfüllen wie bisher.

Montero Luque erwartet dennoch eine deutliche Ausweitung des Handels. Die bestehenden Handelsströme zeigten bereits, dass argentinische Unternehmen in der Lage seien, die Anforderungen zu erfüllen. Mit den neuen Handelsbedingungen könne der Austausch erheblich zunehmen, argumentierte sie.

Entwaldung wird zur nächsten großen Prüfung

Eine besondere Herausforderung für die argentinische Landwirtschaft bleibt die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR). Sie betrifft unter anderem Rinder, Soja, Kaffee, Kakao, Palmöl, Kautschuk und Holz sowie bestimmte daraus hergestellte Produkte.

Für große Marktteilnehmer gelten die zentralen Verpflichtungen ab dem 30. Dezember 2026. Unternehmen müssen dann nachweisen können, dass die betroffenen Waren nicht mit Entwaldung oder Waldschädigung verbunden sind und entsprechend den einschlägigen Rechtsvorschriften des Produktionslandes hergestellt wurden.

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Diese Regeln gelten unabhängig vom EU-Mercosur-Abkommen und damit auch für Waren, die unter den neuen Handelsbedingungen aus Argentinien in die Europäische Union gelangen.

Montero Luque hob in diesem Zusammenhang die Fortschritte hervor, die Argentinien in den vergangenen zwei Jahren bei der Rückverfolgbarkeit erzielt habe. Das Land verfüge inzwischen über mehrere Systeme, mit denen sich die Herkunft entwaldungsfreier Produkte dokumentieren lasse. Nach ihren Angaben wurde dieser Prozess auch von der Europäischen Union begleitet und finanziell unterstützt.

Ein Vorsprung innerhalb des Mercosur

Nach Einschätzung der EU-Vertreterin verschafft diese Vorbereitung Argentinien einen Vorteil gegenüber anderen Mercosur-Partnern, auch wenn weiterhin Herausforderungen bestehen.

Für argentinische Produzenten verschiebt sich damit die zentrale Frage. Entscheidend ist weniger, ob europäische Standards nach dem Abkommen plötzlich zu einer neuen Zugangshürde werden. Viele Exportbranchen arbeiten bereits heute unter diesen Bedingungen.

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Ab Ende 2026 wird die Rückverfolgbarkeit entwaldungsfreier Lieferketten für wichtige argentinische Exportprodukte noch entscheidender.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese Position zu nutzen, wenn der Handel zwischen beiden Wirtschaftsräumen weiter liberalisiert wird. Wer Gesundheits-, Pflanzenschutz- und Rückverfolgbarkeitsanforderungen bereits nachweisen kann, startet mit einem entscheidenden Vorteil in einen europäischen Markt mit rund 450 Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern.

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