Argentiniens Bergbau erreichte im ersten Halbjahr 2026 einen historischen Höchststand, noch bevor die großen Kupferprojekte, die das Produktionsprofil des Landes verändern könnten, überhaupt angelaufen sind. Nach einem Bericht der argentinischen Bergbaukammer CAEM und der Börse von Rosario beliefen sich die Ausfuhren zwischen Januar und Juni auf 4,742 Milliarden US-Dollar. Das waren fast 75 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und mehr als doppelt so viel wie beim bisherigen Halbjahresrekord von 2011.
Gold bringt die Dollar, Lithium verändert die Struktur
Der Rekord ist allerdings nicht gleichbedeutend mit einem entsprechenden Produktionssprung. Gold stellte rund 61 Prozent der Bergbauexporte. Auch Silber profitierte von hohen Weltmarktpreisen, obwohl CAEM und die Bolsa de Comercio de Rosario für beide Metalle 2026 eine geringere Produktion und steigende Kosten erwarten.

Strukturell wichtiger ist Lithium. Vor zehn Jahren machte es weniger als fünf Prozent der argentinischen Minenausfuhren aus, heute liegt sein Anteil bei fast einem Viertel. Die exportierten Mengen stiegen im ersten Halbjahr gegenüber 2025 um mehr als 68 Prozent. Neue und erweiterte Produktionskapazitäten schlagen damit bereits messbar in der Handelsstatistik durch.
Kupfer dagegen erklärt den aktuellen Rekord noch nicht. Sein Potenzial liegt vor allem in Projekten, die sich erst in Entwicklung befinden.
Rekord bei Investitionen, aber nicht jeder Dollar ist neues Kapital
Parallel dazu erreichte der Bestand ausländischer Direktinvestitionen, den CAEM und die Börse von Rosario dem Bergbausektor zurechnen, im März 24,849 Milliarden US-Dollar. Wichtig ist die Unterscheidung: Ein Investitionsbestand misst das bereits im Sektor gebundene ausländische Kapital und nicht ausschließlich Geld, das 2026 neu ins Land geflossen ist.

Die Zahlen der argentinischen Zentralbank BCRA zeigen dennoch eine starke aktuelle Dynamik. „Bergbau und Steinbrüche“ erhielten im ersten Quartal 2026 netto 1,181 Milliarden US-Dollar an Direktinvestitionen und waren damit der führende Wirtschaftssektor. Nach Herkunftsländern verzeichnete die Schweiz allerdings über die gesamte argentinische Wirtschaft hinweg einen Nettoabfluss von 509 Millionen US-Dollar. Eine unmittelbare Schweizer Investitionswelle lässt sich aus den Daten deshalb nicht ableiten.
Deutschland sucht neue Rohstoffpartner
Für Deutschland fällt der argentinische Aufschwung in eine Phase, in der Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen zu einer industriepolitischen Priorität geworden ist. Anfang Juli unterzeichneten Außenminister Pablo Quirno und sein deutscher Amtskollege Johann Wadephul in Buenos Aires ein Memorandum über Bergbau und mineralische Rohstoffe. Es soll Handel fördern, widerstandsfähigere Lieferketten schaffen und langfristige Investitionen erleichtern.

Wadephul hatte Argentiniens Kupfer- und Lithiumvorkommen zuvor ausdrücklich mit deutscher Verarbeitungstechnologie in Verbindung gebracht. Bei einer Rohstoffkonferenz in Brasilien bezeichnete er zudem die Diversifizierung deutscher Lieferketten für kritische Rohstoffe als „top priority“.
Damit stellt sich für die deutsche Industrie weniger die Frage, ob Argentinien über Rohstoffe verfügt, sondern ob daraus langfristig verlässliche Lieferketten entstehen.
Glencore setzt Milliarden auf Kupfer
Die konkreteste Schweizer Verbindung führt nach Baar. Glencore beantragte die Aufnahme von El Pachón in San Juan und Agua Rica in Catamarca in Argentiniens Investitionsregime RIGI. Der Konzern bezifferte die geplanten Investitionen auf 9,5 Milliarden US-Dollar für die erste Phase von El Pachón und 4 Milliarden für Agua Rica. Es handelt sich um geplante Investitionen für das kommende Jahrzehnt, nicht um bereits ausgeführte Kapitalzuflüsse.

Auch der Projektstand zeigt, wie weit der Weg zur Produktion noch ist. Glencore berichtete im August, dass für Agua Rica die Machbarkeitsplanung läuft. Für El Pachón strebt das Unternehmen die Einreichung der Umweltunterlagen im ersten Halbjahr 2027 an. Argentiniens Bergbaurekord ist deshalb zweigeteilt: Gold, Lithium und hohe Metallpreise liefern die heutigen Milliarden. Kupfer, deutsche Versorgungspolitik und Schweizer Großprojekte erzählen dagegen von dem Markt, der erst noch entstehen muss.





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