06. 08. 2026

*Von Dr. Hans-Dieter Holtzmann

Die fünfte Folge von „Mate mit Hans-Dieter“, der Podcastreihe der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und des Argentinisches Tageblatt, blickt auf Argentinien nach der Fußball-Weltmeisterschaft. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der während des Turniers sichtbar gewachsene gesellschaftliche Zusammenhalt bis in das Wahljahr 2027 tragen kann – und was dies für Präsident Javier Milei und die Chancen seiner Wiederwahl bedeutet.

Fußball als Spiegel der Gesellschaft

Moderiert wird der Podcast erneut von Carolina Iglesias vom Argentinisches Tageblatt. Dr. Hans-Dieter Holtzmann analysiert die politische Bedeutung des Fußballs und erklärt, warum Mileis Zukunft vor allem von Wirtschaft, Beschäftigung und Transparenz abhängt.

Javier Milei, Argentina, Alemania
Präsident Javier Milei.

Im WM-Finale unterlag Argentinien Spanien mit 0:1 nach Verlängerung. Der Begeisterung für die „Albiceleste“ tat dies kaum Abbruch. Die Mannschaft um Lionel Messi wurde erneut zum Symbol nationaler Identifikation.

Die Nationalelf vereint ein sonst tief gespaltenes Land zumindest vorübergehend. Anhänger Mileis und der Peronisten, Menschen aus Buenos Aires und den Provinzen sowie unterschiedliche soziale Gruppen fieberten gemeinsam mit dem Team.

Fußball und Politik bleiben eng verbunden

Fußball ist in Argentinien weit mehr als Sport. Vereine sind gesellschaftlich und politisch tief verankert. Aktuell wird kontrovers darüber diskutiert, ob sie sich in private Gesellschaftsformen umwandeln dürfen. Milei möchte sie für privates Kapital öffnen. Kritiker fürchten um den Einfluss der Mitglieder und die soziale Funktion der Clubs.

Wie eng Fußball und Politik verbunden sind, zeigte sich nach dem Halbfinale gegen England. Einige Spieler präsentierten ein Transparent mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“. Eine Reaktion der FIFA ist nicht ausgeschlossen.

Politisch garantiert sportlicher Erfolg jedoch keinen Vorteil. Bereits der WM-Titel von 2022 half dem damaligen Präsidenten Alberto Fernández nicht. Am Ende verloren die Peronisten 2023 die Wahl. Die Nationalmannschaft hat wiederholt deutlich gemacht, dass sie sich nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen will.

Entscheidend bleibt die wirtschaftliche Entwicklung

Bis zur Präsidentschaftswahl im Oktober 2027 dürften vor allem wirtschaftliche und soziale Fragen entscheidend sein.

Zwar setzt sich die Stabilisierung erfreulich fort: Die monatliche Inflation lag im Juni bei 1,9 Prozent, die Kaufkraft erholt sich langsam, und Argentinien erzielt Exportüberschüsse vor allem in der Landwirtschaft sowie im Energie- und Bergbausektor.

Teile der Industrie, der Bau und konsumorientierte Branchen stehen jedoch weiter unter Druck. Da sie viele Menschen beschäftigen, zählt die Sorge um den Arbeitsplatz derzeit zu den wichtigsten Themen für die Bevölkerung.

Für Mileis Wiederwahl wird ein wichtiger Faktor sein, ob neue Arbeitsplätze die Verluste in schwächeren Sektoren ausgleichen können.

Korruptionsbekämpfung bleibt ein Prüfstein

Auch das Thema Korruption bleibt zentral. Milei war mit dem Versprechen angetreten, mit den Praktiken der politischen „Kaste“ zu brechen. Jedoch sieht sich auch seine Regierung immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert.

Der Rücktritt von Manuel Adorni setzte ein wichtiges, wenn auch spätes Signal.

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Im Mittelpunkt des Podcast-Gesprächs steht die Frage, ob der gesellschaftliche Zusammenhalt nach der WM bis zur Präsidentschaftswahl 2027 Bestand haben kann.

Derzeit liegt Milei in Umfragen vor seinem wahrscheinlichen peronistischen Herausforderer Axel Kicillof. Die Mehrheit der Bevölkerung, vor allem der Jüngeren, hat keine Sehnsucht nach einer Rückkehr zu den bis 2023 gescheiterten Rezepten der Peronisten.

Ob Milei seinen Vorsprung halten kann, hängt jedoch nicht vom Fußball ab, sondern davon, ob die wirtschaftliche Stabilisierung im Alltag weiter vorankommt, neue Arbeitsplätze entstehen und seine Regierung glaubwürdig gegen Korruption vorgeht.

Über den Autor

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Bildnachweis: Martin Joppen

Dr. Hans-Dieter Holtzmann ist Projektleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Südamerika.

Über die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat sich der Förderung liberaler Werte weltweit verschrieben. Sie hat ihren Sitz in Potsdam und ist in mehr als 60 Ländern vertreten. In Lateinamerika setzt sie sich für die Stärkung demokratischer Institutionen, die Förderung der Menschenrechte und die Freiheit der Marktwirtschaft ein.

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