08. 06. 2026

Argentinien hat Anfang Juni ein historisches Kapitel in der Arbeit der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) aufgeschlagen. Vom 1. bis 4. Juni trafen sich in Buenos Aires Delegationsleiter, Fachleute und internationale Partner der Organisation aus 35 Mitgliedstaaten zum ersten Plenum unter argentinischem Vorsitz. Erstmals in der Geschichte der IHRA wurde die Organisation von einem Land der südlichen Hemisphäre geleitet und ihr wichtigstes Arbeitstreffen dort ausgerichtet.

Das Treffen im Sheraton Hotel Buenos Aires stand unter dem Motto „Expanding the Frontiers of Remembrance“ („Die Grenzen der Erinnerung erweitern“) und verdeutlichte den Anspruch der argentinischen Präsidentschaft, die Erinnerung an den Holocaust stärker in Bildung, Forschung und gesellschaftliche Debatten einzubinden.

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Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wurde die IHRA von einem Land der südlichen Hemisphäre geleitet. Pablo Quirno, Minister für auswärtige Angelegenheiten, internationalen Handel und Kultus, während einer Sitzung der Internationalen Allianz zur Erinnerung an den Holocaust.

Ein historischer Vorsitz für Argentinien

Argentinien ist seit 2002 ununterbrochen Vollmitglied der IHRA und das einzige Land Lateinamerikas mit diesem Status. Den Vorsitz übernahm das Land am 18. März 2026; er läuft bis zum 18. März 2027, wenn Frankreich die Präsidentschaft übernimmt.

An der Eröffnungszeremonie nahm auch Präsident Javier Milei teil. Er bezeichnete den Vorsitz als besondere Verantwortung und als Anlass zum Stolz.

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Buenos Aires wurde für vier Tage zum Zentrum der internationalen Holocaust-Erinnerungsarbeit.

„Dass Argentinien das erste lateinamerikanische Land ist, das den Vorsitz der IHRA übernimmt, erfüllt uns mit großem Stolz. Während unserer Präsidentschaft wollen wir die Erinnerung stärken, Antisemitismus bekämpfen und dieses Anliegen in unserer gesamten Region voranbringen“, erklärte Milei.

Erinnerung als gesellschaftlicher Auftrag

Zu den wichtigsten Rednern der Eröffnungsveranstaltung gehörte auch Außenstaatssekretär Pablo Quirno. Gemeinsam mit dem US-Sondergesandten zur Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus, Yehuda Kaploun, sowie dem OAS-Beauftragten für dieses Thema, Fernando Lottenberg, diskutierte er über die internationale Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus.

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Delegierte aus 35 Staaten diskutierten über die Zukunft der Erinnerungskultur.

Quirno betonte, dass Erinnerung nicht auf Gedenkveranstaltungen oder historische Jahrestage beschränkt bleiben dürfe. „Die Erinnerung darf nicht auf Gedenkfeiern, Archive oder Jahrestage beschränkt bleiben. Sie muss Generationen, Institutionen, Grenzen und Kulturen durchdringen“, sagte er.

Auch die Generalsekretärin der IHRA, Michaela Küchler, unterstrich die Bedeutung langfristiger Erinnerungsarbeit. „Erinnerung bewahrt sich nicht von selbst. Sie muss erforscht, dokumentiert und weitergegeben werden“, erklärte Küchler.

Zehn Jahre IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus

Bereits vor Beginn des Plenums hatte die argentinische Präsidentschaft eine Fachkonferenz zum zehnten Jahrestag der IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus veranstaltet. Im Mittelpunkt stand deren praktische Anwendung an Universitäten, in staatlichen Institutionen und in der Zivilgesellschaft in Argentinien und Lateinamerika.

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Marcelo Mindlin, Präsident der IHRA.

Der Präsident der IHRA, Marcelo Mindlin, verwies dabei auf konkrete Fortschritte in Argentinien. „Wir verfügen seit 1988 über ein Antidiskriminierungsgesetz. Zudem haben seit der Übernahme der Antisemitismus-Definition durch den Staat im Jahr 2020 zahlreiche Bereiche der Regierung und der Zivilgesellschaft diese übernommen“, sagte Mindlin.

Bildung, Archive und die Geschichte des Holocaust in Argentinien

Während der Plenarwoche beschäftigten sich die Delegierten mit einer Vielzahl von Themen. Dazu gehörten Bildungsprogramme, der Zugang zu Archiven und deren Digitalisierung, Museen und Gedenkstätten, Formen der Holocaust-Verzerrung sowie die Förderung künftiger Forschergenerationen.

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Die Geschichte des Holocaust bleibt eine Aufgabe für kommende Generationen. Bildung und Forschung bleiben zentrale Instrumente im Kampf gegen Antisemitismus.

Besondere Aufmerksamkeit fanden Workshops zur Geschichte der Holocaust-Überlebenden in Argentinien sowie zur Präsenz nationalsozialistischer Täter im Land. Die Diskussionen befassten sich dabei auch mit dem Spannungsfeld zwischen historischer Forschung und gesellschaftlicher Erinnerungskultur.

Blick auf das zweite Plenum

Die argentinische Präsidentschaft will die internationale Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Forschung während ihres gesamten Vorsitzjahres weiter ausbauen. Das zweite Plenum der IHRA unter argentinischer Leitung ist vom 2. bis 5. November 2026 erneut in Buenos Aires geplant.

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