04. 10. 2023

Buenos Aires (AT) – Das Projekt Innovations– und Transformationsdialog zur neuen EU-Verordnung zur Vermeidung von Abholzung sogenanntes Projekt ITD, lud deutsche Experten in der letzten Woche zu einem technischen Dialog mit Vertretern des öffentlichen und privaten Sektors in Argentinien ein. Unter Ihnen, die Volkswirtschaftlerin und Ethnologin Lea Strub, die sich im Global Nature Fund auf Bereich Nachhaltige Lieferketten spezialisert hat. Ziel der Gespräche war es, das Verständnis für die neuesten Verordnungen zu verbessern und die Zusammenarbeit zu fördern, um über den gegenseitigen Austausch, die weiterhin bestehenden Verständnislücken und Grenzen zu überwinden. 

Strub gab im Rahmen der „Klimadialoge”, einen grundlegenden Einblick in die führende Informationsplattform für Kleine und Mittelständische Unternehmen (KMU) und ihren Bezug zum Lieferkettenrecht sowie die Perspektiven deutscher Unternehmen. Die “Klimadialoge” werden von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, zusammen mit den technischen Institutionen des Agrarsektors CREA und AAPRESID organisiert.

„Die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland benötigen heutzutage mehr Information, um die Sorgfaltspflicht dieser Verordnung einführen zu können. Es ist also eine Herausforderung für sie, aber wir arbeiten an einer Plattform, die ihnen Informationen in kompakter Form zur Verfügung stellt”, so Frau Strub. „Durch diese Art von Gesetzen kann man Grenzen bewegen und mehr Dialog über Paradigmenwechsel einführen”.

Lea Strub Deforestación Clima Unión Europea
Frau Strub während der Seminare in Córdoba, Argentinien. (quelle: SAGyP – ITD)

AT: Frau Strub, warum ist die neue EU-Entwaldungsverordnung so wichtig? Was ändert Sie? 

Strub: Es fördert, dass europäische Unternehmen oder Importeuren, die ihre Produkte mit gewissen Risiko Rohstoffen auf dem EU-Markt platzieren, nachweisen müssen, dass ihre Produkte nach Dezember 2020 nicht auf entwaldeten Flächen produziert wurden. Diese Risiko Rohstoffe sind unter anderem Kakao, Kaffee, Palmöl und natürlich besonders wichtig für Argentinien, Soja, Rind- und Holzprodukte. Es handelt sich um eine neue Nachweispflicht, bei der die Unternehmen mehr Erkenntnisse zum Ursprung dieser Produkte haben müssen. Sie haben eine Sorgfaltspflicht dies nachzuweisen und müssen Informationen zu den genauen Geo- Koordinaten zu diesen Produkten liefern. Es ändert in dem Sinne, dass die Unternehmen mehr über die Auswirkungen an Ursprüngen ihrer Lieferketten wissen müssen. Dieser Wechsel ist fundamental. 

AT: Warum ist gerade Argentinien eins der best positionierten Länder in Lateinamerika in Hinsicht auf entwaldungsfreie Produkte/ bzw. Lieferketten? 
Strub: Genau genommen handelt es sich hier um ein weltweites Problem, beziehungsweise zutreffend auf alle Länder, die in die EU exportieren. 90% der Sojaproduktion in Argentinien geht in den Export. Die EU ist nach China der größte Importeur von Soja. Für Argentinien ist der europäische Markt wichtig, und sinngemäß ist es wichtig, dass die Produkte aus Argentinien weiterhin eingeführt werden können. Das ist glaube ich das Interesse aller. Ich würde sagen, dass Argentinien definitiv sehr weit fortgeschritten ist. Es gibt viele Informationen, Daten und Geo-Koordinaten, die in Argentinien bereits sehr gut aufgestellt sind. Ich denke, dass es für deutsche Unternehmen sehr interessant sein wird, dass es hier tatsächlich Strukturen gibt, die diese Anforderungen erfüllen können. Oder das sie in der Lage sind, diese deutschen oder europäischen Unternehmen darin unterstützen zu können, ihre Sorgfaltspflicht zu erfüllen. Im internationalen Vergleich ist das durchaus nicht der Fall, wenige Länder haben die Information in diesem Format bereits schon so aufbereitet, wie ich es hier in der letzten Woche kennengelernt habe. 

Soja Producción Deforestación Clima Unión Europea
Strub war besonders von den Fortschritten im Soja-Sektor beeindruckt. (quelle: agrositio)

AT: Wie kann Innovation in der Forstwirtschaft uns beim Klima helfen? 
Strub: Gerade beim Global Nature Fund beschäftigen wir uns viel mit dem Thema Biodiversität. Der Artenreichtum der Wälder ist definitiv einer der wichtigsten Gründe warum wir die Wälder schützen müssen. Generell spielt die Funktion der Wälder als Kohlenstoffspeicher eine wichtige Rolle, besonders die Tropenwälder. 

AT: Warum ist der Dialog zwischen Deutschland und Argentinien zu diesem Thema so wichtig?
Strub: Es gibt natürlich wirtschaftliche Beziehungen, die wichtig sind für beide Seiten, die man auch erhalten will. Der Markt muss weiterhin offen bleiben und die neuen Anforderungen erfüllen können. Ich glaube, dass diese Anforderungen nur im Dialog gelöst werden können. Wenn man diesen Wunsch hat, der Entwaldung nicht weiter beizutragen, muss man auch weiterhin das Wissen über Lieferkette und den Ursprung fördern, und das kann man nur erfahren, wenn man sich mit den Leuten weiterhin austauscht und über die Realitäten und Probleme erfährt.

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