Während Vaca Muerta immer neue Investitionen anzieht und als Motor der argentinischen Energiebranche gilt, zeigt sich ein wachsendes Problem: Der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Im Jahr 2025 schlossen in ganz Argentinien lediglich 70 Studierende ihr Studium des Erdölingenieurwesens ab. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Spezialisten, um die Entwicklung der weltweit bedeutenden Schieferöl- und Schiefergaslagerstätte weiter voranzutreiben.
Vor diesem Hintergrund veranstaltete das Energieunternehmen Tecpetrol erstmals den Wettbewerb „Desafío Tecpetrol“, der fortgeschrittenen Studierenden des Erdölingenieurwesens einen praxisnahen Einblick in die Herausforderungen der Branche bieten soll.
Ein Planspiel für die Energiebranche
An der ersten Ausgabe nahmen 23 Studierende von sechs argentinischen Universitäten teil. Darüber hinaus waren auch Studierende der Chemieingenieurwissenschaften des Instituto Tecnológico de Buenos Aires (ITBA) vertreten.
Im Rahmen eines Unternehmenssimulators schlüpften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Rolle von Führungsteams fiktiver Öl- und Gasunternehmen. Dabei mussten sie strategische Entscheidungen entlang verschiedener Abschnitte der industriellen Wertschöpfungskette treffen.

Ricardo Ferreiro, Präsident für Exploration und Produktion bei Tecpetrol, betonte während der Veranstaltung die Bedeutung solcher Initiativen für die Ausbildung des zukünftigen Fachpersonals.
„Vaca Muerta schafft beispiellose Chancen für die neuen Generationen von Fachkräften, die heute nach Möglichkeiten suchen, sich beruflich weiterzuentwickeln. Deshalb ist es wichtig, Studierenden diese Realität näherzubringen, bevor sie in unsere Branche eintreten“, erklärte Ferreiro.
Studierende aus dem ganzen Land
Vertreten waren Studierende der Universidad Nacional del Comahue (UNCo), der Universidad de Buenos Aires (UBA), der Universidad Nacional Arturo Jauretche (UNAJ), der Universidad Nacional de Cuyo (UNCuyo), der Universidad Nacional de la Patagonia San Juan Bosco (UNPSJB) sowie des ITBA.

Ein zentrales Ziel des Programms bestand darin, den Austausch zwischen jungen Menschen aus unterschiedlichen Regionen Argentiniens zu fördern. Die Teams wurden bewusst universitätsübergreifend zusammengestellt, um Zusammenarbeit, gegenseitiges Lernen und den Aufbau beruflicher Netzwerke zu stärken.
Praxisbezug und Schlüsselkompetenzen
María Laura García, Chief Human Resources Officer von Tecpetrol, erklärte, dass die Initiative den Studierenden einen direkten Einblick in operative und organisatorische Herausforderungen ermöglichen solle.
„Mit Desafío Tecpetrol möchten wir den Studierenden die realen operativen und Management-Herausforderungen näherbringen, die Teil jener Projekte sind, welche derzeit die Energiezukunft Argentiniens prägen“, sagte García.

Auch die Teilnehmenden zogen eine positive Bilanz. Joaquina López von der Universidad de Buenos Aires hob insbesondere den Praxisbezug hervor.
„Diese Erfahrung hat mich der Industrie nähergebracht. Vorher hatte ich wirtschaftliche Aspekte wie Preisentwicklungen kaum berücksichtigt. Heute weiß ich, dass solche Faktoren im Berufsleben eine wesentlich größere Rolle spielen“, erklärte sie.
Alex Mejía von der Universidad Nacional de Cuyo betonte vor allem die Dynamik der Entscheidungsprozesse: „Die größte Herausforderung bestand darin, mit verschiedenen Parametern zu arbeiten, die sich in einem Unternehmen täglich verändern. Gleichzeitig konnte ich Fähigkeiten wie Teamarbeit und kritisches Denken weiterentwickeln.“
Besuch in Vaca Muerta als Hauptpreis
Das Siegerteam erhielt als Preis einen Besuch des Gasfeldes Fortín de Piedra in der Provinz Neuquén. Das Vorkommen gilt als das bedeutendste Schiefergasprojekt Argentiniens und deckt derzeit mehr als 15 Prozent des nationalen Gasverbrauchs.
Vor Ort erhalten die Studierenden Einblicke in Produktionsprozesse, moderne Technologien und die technischen Herausforderungen eines der wichtigsten Energieprojekte des Landes.

Nachwuchs für einen boomenden Sektor
Die Initiative ist Teil einer Reihe von Ausbildungs- und Förderprogrammen von Tecpetrol. Dazu zählen unter anderem Gen Técnico Roberto Rocca, Becas Roberto Rocca, GenEra Neuquén, Tecpetrol Conecta und Futureá Tecpetrol.
Angesichts der wachsenden Bedeutung von Vaca Muerta für die argentinische Energieversorgung und die Exportwirtschaft dürfte die Ausbildung neuer Fachkräfte in den kommenden Jahren zu einer der zentralen Herausforderungen der Branche werden. Die Zahl von lediglich 70 Absolventinnen und Absolventen im Erdölingenieurwesen zeigt, wie groß die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bereits heute ist.





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