02. 11. 2026

Mit rund 50 Unternehmern, Wissenschaftlern und Institutionen ist Thüringen nach Südamerika gereist, um aus dem neuen Handelsrahmen zwischen der Europäischen Union und dem Mercosur konkrete Geschäftskontakte zu machen. Unter Leitung von Colette Boos-John, Thüringer Ministerin für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum, führt die Mission zunächst nach Buenos Aires und anschließend nach Porto Alegre und Rio de Janeiro. Mehr als 40 Gespräche mit Unternehmen, Netzwerkpartnern und politischen Vertretern stehen während der achttägigen Reise auf dem Programm.

Die Zahlen zeigen zugleich, wie viel Arbeit noch vor den Beteiligten liegt. 2025 erreichte Thüringens Handelsvolumen mit Brasilien rund 320 Millionen Euro, mit Argentinien dagegen lediglich 26,5 Millionen Euro. Rund 70 Thüringer Unternehmen exportieren nach Brasilien, nur 27 nach Argentinien. Der brasilianische Austausch ist damit wertmäßig etwa zwölfmal so groß.

Buenos Aires als erste Station

Am heutigen Montag steht die argentinische Wirtschaft im Mittelpunkt. Die AHK Argentinien organisiert unter dem Motto „¡Vamos, Mercosur!“ Gespräche zu Agrarwirtschaft, Hightech und Wissenschaft, Energietechnologien sowie Maschinenbau. Beim Networking Lunch sollen deutsche und argentinische Unternehmen mögliche Partner, neue Projekte und gemeinsame Geschäftsfelder identifizieren. Am Nachmittag folgen unter anderem ein EU-Mercosur-Dialog und weitere politische und wirtschaftliche Gespräche.

Thüringen, Argentinien, Mercosur, Wirtschaftsdelegation Thüringen, Argentinien Deutschland Handel, EU-Mercosur-Abkommen, deutsche Unternehmen Argentinien, Mittelstand Argentinien, Thüringer Unternehmen, Colette Boos-John, AHK Argentinien, deutsche Wirtschaftsdelegation Buenos Aires, Maschinenbau Argentinien, Medizintechnik Argentinien, Handel Thüringen Argentinien, Investitionen Argentinien Deutschland, Mercosur deutsche Unternehmen, Geschäftspartner Argentinien, LEG Thüringen, Wirtschaft Thüringen Südamerika
Colette Boos-John führt die Thüringer Wirtschaftsdelegation durch Argentinien und Brasilien, mit mehr als 40 Gesprächen während der Südamerika-Reise.

Die Reise begann am 31. Oktober und führt die Delegation bis zum 3. November durch Buenos Aires. Danach folgen Porto Alegre und Rio de Janeiro, ehe die Teilnehmer am 8. November nach Deutschland zurückkehren. Die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) nennt unter anderem Life Sciences, Energie und Nachhaltigkeit, Landwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft, E-Commerce, Fintech und angewandte Forschung als relevante Felder.

Boos-John sieht zusätzlich Chancen im Maschinen- und Anlagenbau, in Optik und Medizintechnik. Entscheidend sei jedoch, den politischen Rahmen nicht mit einem bereits gewonnenen Markt zu verwechseln. „Ein Abkommen allein schafft noch keine Aufträge“, sagte die Ministerin vor der Reise. Dafür brauche es Marktkenntnis, persönliche Kontakte und passende Partner.

Weniger Zölle lösen nicht alle Probleme

Der Zeitpunkt ist günstig. Das Interims-Handelsabkommen zwischen der EU und den vier beteiligten Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay wird seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet. Es sieht einen schrittweisen Abbau zahlreicher Zölle und anderer Handelsbarrieren vor.

Thüringen, Argentinien, Mercosur, Wirtschaftsdelegation Thüringen, Argentinien Deutschland Handel, EU-Mercosur-Abkommen, deutsche Unternehmen Argentinien, Mittelstand Argentinien, Thüringer Unternehmen, Colette Boos-John, AHK Argentinien, deutsche Wirtschaftsdelegation Buenos Aires, Maschinenbau Argentinien, Medizintechnik Argentinien, Handel Thüringen Argentinien, Investitionen Argentinien Deutschland, Mercosur deutsche Unternehmen, Geschäftspartner Argentinien, LEG Thüringen, Wirtschaft Thüringen Südamerika
Rund 27 Thüringer Unternehmen exportieren derzeit nach Argentinien, während etwa 70 Firmen aus dem Bundesland bereits auf dem brasilianischen Markt aktiv sind.

Gerade für Thüringens industrielle Struktur ist das relevant. Bei Maschinen und Anlagen lagen Mercosur-Zölle bislang vielfach zwischen 14 und 20 Prozent. Für 93 Prozent der entsprechenden EU-Exporte sollen sie nach Angaben der Europäischen Kommission über Übergangsfristen weitgehend abgebaut werden. Auch für Pharmazeutika und andere technologieintensive Produkte sind Senkungen vorgesehen.

Doch niedrigere Zölle beantworten noch nicht die Frage, wie ein mittelständisches Unternehmen tatsächlich in Argentinien Fuß fasst. Ein Hersteller braucht Vertriebspartner, Kenntnisse über Zulassungen und technische Standards, Service- und Wartungsstrukturen sowie ein belastbares Netzwerk vor Ort. Genau an diesem Punkt sollen Wirtschaftsreisen wie die jetzige Delegation ansetzen.

Te puede interesar  Wien schickt seinen Spitzendiplomaten nach Buenos Aires: Österreich wirbt um den IHRA-Vorsitz 2028

Der Mittelstand sucht den Türöffner

Ein Beispiel ist Lena Lüneburger, Geschäftsführerin von Werkzeugbau Ruhla. Das Unternehmen beschäftigt 35 Mitarbeiter und produziert Spritzgusswerkzeuge unter anderem für medizinische Produkte und Verpackungen. Lüneburger nahm bereits an mehreren von der LEG begleiteten Auslandsreisen teil und berichtete gegenüber dem MDR, dass Kontakte zu potenziellen Auftraggebern ohne diese Unterstützung für ein Unternehmen dieser Größe wesentlich schwerer aufzubauen wären.

Thüringen, Argentinien, Mercosur, Wirtschaftsdelegation Thüringen, Argentinien Deutschland Handel, EU-Mercosur-Abkommen, deutsche Unternehmen Argentinien, Mittelstand Argentinien, Thüringer Unternehmen, Colette Boos-John, AHK Argentinien, deutsche Wirtschaftsdelegation Buenos Aires, Maschinenbau Argentinien, Medizintechnik Argentinien, Handel Thüringen Argentinien, Investitionen Argentinien Deutschland, Mercosur deutsche Unternehmen, Geschäftspartner Argentinien, LEG Thüringen, Wirtschaft Thüringen Südamerika
Lena Lüneburger, Geschäftsführerin von Werkzeugbau Ruhla, steht für jene mittelständischen Unternehmen, die über Delegationsreisen neue Märkte erschließen wollen.

Die Buenos-Aires-Etappe ist deshalb vor allem als Marktsondierung zu verstehen. Weder die Landesregierung noch die beteiligten Wirtschaftsförderer kündigten bislang konkrete Investitionssummen, Vertragsabschlüsse oder neue Niederlassungen in Argentinien an.

Von 26,5 Millionen Euro aus gedacht

Gerade das vergleichsweise geringe Handelsvolumen macht Argentinien für Thüringen interessant. Die Differenz zu Brasilien zeigt einerseits, wie schwach die bestehenden Verbindungen noch sind. Andererseits bedeutet sie, dass selbst eine begrenzte Zahl neuer Lieferbeziehungen, Forschungskooperationen oder Vertriebspartnerschaften spürbares Wachstum erzeugen könnte.

Thüringen, Argentinien, Mercosur, Wirtschaftsdelegation Thüringen, Argentinien Deutschland Handel, EU-Mercosur-Abkommen, deutsche Unternehmen Argentinien, Mittelstand Argentinien, Thüringer Unternehmen, Colette Boos-John, AHK Argentinien, deutsche Wirtschaftsdelegation Buenos Aires, Maschinenbau Argentinien, Medizintechnik Argentinien, Handel Thüringen Argentinien, Investitionen Argentinien Deutschland, Mercosur deutsche Unternehmen, Geschäftspartner Argentinien, LEG Thüringen, Wirtschaft Thüringen Südamerika
Colette Boos-John sieht Chancen vor allem im Maschinen- und Anlagenbau, in der Optik, Medizintechnik und in der Agrarwirtschaft.

Ob aus den mehr als 40 Gesprächen tatsächlich Geschäfte werden, wird sich deshalb nicht während eines Networking Lunch entscheiden. Messbar wird der Erfolg erst später: an neuen Vertriebspartnern, Pilotprojekten, Hochschulkooperationen, Lieferverträgen oder dauerhaften Unternehmensbeziehungen. Das EU-Mercosur-Abkommen kann dafür Türen öffnen. Durchgehen müssen Unternehmen auf beiden Seiten selbst.

Es könnte dich interessieren

50 Köpfe, 40 Gespräche: Thüringen sucht in Buenos Aires den Einstieg in den Mercosur

Eine rund 50-köpfige Delegation um Wirtschaftsministerin Colette Boos-John sucht in Buenos Aires ...
02. 11. 2026

Wien schickt seinen Spitzendiplomaten nach Buenos Aires: Österreich wirbt um den IHRA-Vorsitz 2028

Vom 2. bis 5. November tagt die IHRA erneut in Buenos Aires. Österreich kündigte eine hochrangige ...
28. 10. 2026

Tag der Deutschen Einheit: Vor 800 Gästen skizziert Catalina Cullas die neue Etappe mit Argentinien

Beim Empfang zum Tag der Deutschen Einheit stellte die erste Frau an der Spitze der Deutschen ...
23. 10. 2026
Fabio PalopoliVon

Großes Kino in Buenos Aires: PASCH-Schulen glänzen beim Festival de Cine Alemán

Beim Kurzfilmwettbewerb „Deutsch mit Herz und Verstand“ zeigten PASCH-Schülerinnen und ...
23. 10. 2026

Hacé tu comentario

Por si acaso, tu email no se mostrará ;)